Radiant Knife – The Ghost

| 5. Oktober 2020 | 0 Comments
Radiant Knife

(c) Radiant Knife

Heavy oder luftig? Radiant Knife kennen beide Spielweisen und lassen diese in ihrer Musik auf mal wuchtige, mal atmosphärische Weise zusammenprallen. Für den Nachfolger von „Science Fiction“ hatte das US-Duo so viel Material geschrieben, dass daraus ein Zweiteiler wurde. Vor sechs Wochen widmete sich „The Body“ der technisch anspruchsvollen, wuchtig-sludgigen Seite der Band, nun bemüht sich „The Ghost“ um geräumige, befreit aufatmende Arrangierungen betont progressiver Natur.

Die beiden einleitenden Kapitel fallen kurz aus, wie ein doppelköpfiges, verlängertes Intro. „The Grand Decay“ wirkt gar unscheinbar, nur mit (verzerrter) Gitarre und weichem Gesang besetzt. Der Distortion-Grad nimmt zu, „True Believers“ gibt einen ersten Vorgeschmack auf den Rest der Platte mit modern-proggiger Sinnsuche und verqueren Flächen. Und dann hebt urplötzlich „Dark Horizon“ ab – nicht etwa hinsichtlich Heavyness, sondern mit spacig angehauchten acht Minuten, welche an die „Crack The Skye“-Ära von Mastodon erinnern – voluminös und doch weit offen, verspielt und bis ins kleinste Detail durchdacht.

Nun nimmt das Album so etwas wie Fahrt auf und liefert starke Momente am laufenden Band. „Surrender“ breitet seine majestätischen Schwingen rund um eine ruhige, geradezu melancholische Zäsur aus, und „Give Up The Ghost“ transportiert den Minimalismus des Openers in folk-proggige Überlänge. Das wirkt zunächst etwas gar unübersichtlich, bis die dichte, aufwühlende Atmosphäre schließlich und endlich komplett zupackt. „The Light Born From The Dark“ lässt schließlich sämtliche Fäden zusammenlaufen und dockt ein klein wenig an „The Body“ an – mehr Härte, schroffere Gitarren, dezent erhöhtes Aggressionspotenzial.

Beide Kehrseiten der musikalischen Medaille zu splitten, war ohne Frage eine mutige Entscheidung. Radiant Knife wollten das Beste aus beiden Welten liefern, ohne dabei der eigenen Kreativität im Weg zu stehen. Genau das gelingt letztlich, denn auch „The Ghost“ ist richtig gut geworden. Etwas länger und ausladender als sein erster Teil gestaltet, liefern die Herren aus Lafayette, Louisiana feine epische Kost, deren weite Räume viel Interpretationsspielraum zulassen. Groß und anmutig – das Experiment ist fraglos geglückt.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 09.10.2020
Erhältlich über: Eigenvertrieb

Facebook: www.facebook.com/Radiantknife

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Category: Magazin, Reviews

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