Haggard Cat – The Pain That Orbits Life

(c) Ruena
Haggard Cat ist eine jener Bands, bei der es schwerfällt zu begreifen, warum sie nicht schon längst viel größer ist. Das britische Duo um Drummer/Backing-Sänger Tom Marsh und Sänger/Gitarrist Matt Reynolds war ursprünglich ein Nebenprojekt von Heck (ehem. Baby Godzilla), erhielt nach dessen Auflösung aber volle Aufmerksamkeit. Ihr zweites Album erschien sehr unglücklich im März 2020, nach entsprechender Pause und einer passenderweise „Cheer Up“ benannten EP wurde die ausgefallene Tour doppelt und dreifach nachgeholt. Zudem hatten die Briten deutlich mehr Zeit für einen Nachfolger als gedacht. Gemeinsam mit Adrian Bushby, der für seine Arbeit mit Foo Fighters und Muse mit zwei Grammys ausgezeichnet wurde, entstand das wahnwitzige „The Pain That Orbits Life“.
An der grundlegenden musikalischen Ausrichtung im erweiterten Umfeld von Alternative Rock und Post-Hardcore hat sich glücklicherweise herzlich wenig geändert. Da wäre beispielsweise der Kraftakt „Halcyon“, der mit scharfkantigen bis entfremdeten Riffs, stoischem Groove und wütenden, leicht neben der Spur operierenden Vocals auf einem schmalen Grat zwischen Hymne und Wahnsinn wandelt. Stoische Heavyness und plötzliche Eskalation entfremden den Ohrwurm. Auch „Suppressor“ hätte das Zeug zum kleinen Hit, steht sich aber bewusst selbst im Weg. Dezent vertrackte Einschübe mit einem Hauch Fugazi, Saosin-Chaos und explosiven, bärbeißigen Husarenritten machen Laune.
Zu den großen Stärken von Haggard Cat zählen die XXL-Songs, die trotz Überlänge ihr Ziel nicht verfehlen. In seinen mehr als siebeneinhalb Minuten häutet sich „Apnoea“ mit wachsender Begeisterung und punktet vor allem mit einer grandiosen Gesangsdarbeitung. Pure Verzweiflung, spürbare Wut und ein paar Harmonien zwischendurch machen Laune, während der Track eine Metamorphose nach der anderen erfährt – proggig, wütend bis metallisch, später filigran und hochtrabend. Pil & Bue lassen unter anderem grüßen. „Zion“ packt sogar drei weitere Minuten drauf und wird in all seinen Schleifen nie auch nur annähernd langweilig. Wütendes Stampfen und schnaubende Schwere finden gekonnt zusammen, das markige Riff dringt wieder und wieder an die Oberfläche. Das hat fast etwas von einem Ohrwurm, bevor ein Schwall an Noten den Wahnsinn von Title Fight und sogar Circa Survive anreißt.
Dass gut 50 Minuten derart schnell vorübergehen können, weiß zu beeindrucken, zumal Haggard Cat wahrlich keine einfache Kost servieren. Wohl aber sind sie stets songdienlich unterwegs, selbst inmitten verblüffender Wendungen, und finden immer wieder die richtige Möglichkeit, puren Wahnsinn und drückende Härte mit der ganz feinen Klinge zu verschmelzen. Klar, es braucht den einen oder anderen Durchlauf, um den Überblick zu gewinnen, doch erklimmt „The Pain That Orbits Life“ in weiterer Folge wieder und wieder höchste Höhen. Mitreißender Post-Hardcore, komplexer Alternative Rock und komplett eigene Prog-Visionen, die ans Metallische grenzen, unterstreichen die Klasse des britischen Duos, das jetzt eigentlich durch die Decke gehen müsste.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 08.05.2026
Erhältlich über: Church Road Records
Facebook: www.facebook.com/HaggardCat


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