Thrownness – Marrow Part II: A Fire Through The Ether

| 3. Mai 2026 | 0 Comments
Thrownness

(c) Cristina Fridenand & Kévin Antoine Guimet

Finstere, monolithische, sämtliche Sinne erstickende Klänge aus Portugal – das mag auf den ersten Blick überraschen, sollte angesichts der reichhaltigen musikalischen Tradition des Landes auf der Iberischen Halbinsel (Fado lässt grüßen) aber eigentlich nicht verblüffen. Dennoch lässt der betont atmosphärische Post Metal und Sludge von Thrownness aufhorchen. Aus der Vision von Kévin Guimet, der sich für die erste EP „Marrow“ vor zwei Jahren verantwortlich zeigte, ist mittlerweile eine komplette Band geworden. An der Fortsetzung „Marrow Part II: A Fire Through The Ether“ waren alle Mitglieder beteiligt, wobei Drummer João Fernandes erst nach den Aufnahmen hinzustieß.

Drei überlange Songs fahren mit Anlauf durch Mark und Bein und torpedieren sämtliche Sinne mit ausgesuchter Präzision. Wobei man im Falle des fast zwölfminütigen Openers „Atone Into Rage“ zumindest anfangs an einen Hauch von Idylle glauben kann. Melancholische und doch zart hoffnungsvolle Gitarren arbeiten sich voran, später durch wütende, heisere Schreie ergänzt. Nach und nach setzt die etatmäßige Verzweiflung ein, bäumt sich der Rest der Band auf und erzeugt undurchdringliche Wände, die selbst Neurosis stolz machen würden. Ebbe und Flut werden letztlich zu wichtigen Begleitern, das Arrangement durchlebt kleinere Metamorphosen und lässt die Instrumente in den donnernden, beklemmenden Schlussminuten regelrecht singen.

Damit ist auch relativ schnell klar, wohin die weitere Reise geht. Im Falle von „Coil Wielder“ beginnt diese abrupt und urplötzlich, findet nach noisigen Anfangssekunden schnell in media res und bäumt sich auf. Die suchenden, leicht verstörenden Gitarren schaffen einen überraschenden atmosphärischen Gegenpol mit gewissen Isis-Vibes, bevor überdimensionale Druckwellen erfassen und mit drastischer Wut stellenweise sogar entfernt an Amenra erinnern. Ganz so schmerzvoll und schwarzmetallisch wird es bei den Portugiesen aber nie, auch nicht im abschließenden „White Wind“. Vergleichsweise klassische post-metallische Motive mit ellenlangem Aufbau und kathartischem Plateau, von grantiger Aggression zerschossen, machen sich breit.

Drei Songs in 32 Minuten ist natürlich eine Menge Holz, speziell für eine EP. Über derlei Formatfragen diskutieren Thrownness erst gar nicht und machen einfach. Ihr musikalischer Nachschlag schmerzt tatsächlich, wieder und wieder, auf mitreißende Weise. Natürlich bewegt sich das portugiesische Quintett in vertrauten Gefilden (Cult Of Luna wären eine weitere potenzielle Referenzgröße), schafft sich mit dem Fokus auf Atmosphäre und einem Hauch weniger Aggression zugleich seine eigene Nische, die mit eindrucksvoller Intensität bedient wird. „Marrow Part II: A Fire Through The Ether“ ist ein starker Schritt in die richtige Richtung, profitiert vom umfassenden Band-Input und positioniert Thrownness als Band, die man unbedingt im Blick behalten sollte. Ein Album von ähnlicher Qualität könnte richtig groß werden.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 04.05.2026
Erhältlich über: Raging Planet Records

Bandcamp: thrownnessofficial.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/thrownness.band

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Category: Magazin, Reviews

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