The Heavy Eyes – Focus

(c) The Heavy Eyes
Sechs Jahre sind eine halbe Ewigkeit, wurden im Falle von The Heavy Eyes nach zwischenzeitlichen Rückschlägen aber von guten Neuigkeiten begleitet. Nachdem sich die Arbeiten an „Love Like Machines“ aus gesundheitlichen Gründen mehrfach verzögerten und die Tour Corona-bedingt verschoben werden musste, erhielt der an einem chronischen Nierenleiden erkrankte Sänger und Gitarrist Tripp Shumake 2022 eine neue Niere. Die Tour musste zwar unterbrochen werden, dafür verliefen Operation und Heilung gut. Nun ist das Quartett wieder am Start und zeigt sich auf „Focus“ in bestechender Form.
The Heavy Eyes müssen sich erst selbst wieder nach vorne arbeiten. Vorsichtig tastet sich der Opener „That Cold Goliath“ voran, bleibt bei ruhigem Minimalismus und stellt Shumakes Stimme nur ein paar Gitarrenklänge und Effekte zur Seite. In der späteren Fortsetzung „That Cold Goliath (Might Return)“ setzt es dafür verschwitzte Riff und stoische Heavyness mit Blues- und Stoner-Einschlag. Noch stärker ist „Concrete Halloween“, das nach dem Auftakt sofort in die Vollen geht und regelrecht hypnotisiert. Angriffslustige Wucht, Rock aus der Garage und steter Drive mit ein paar abgründigen Untertönen machen Laune.
Die wohlige Entschleunigung des Titelsongs „Focus“ ist mindestens so stark, wenngleich auf komplett andere Weise. Gemächlich, aber keinesfalls vorsichtig arbeitet sich der Track heran, driftet mittendrin in instrumentale Untiefen ab und kommt für einen kurzen Boogie zurück. Der angriffslustige Basslauf von „It’s All Simone“ macht Laune, bäumt sich immer mächtiger auf und legt zwischenzeitlich ein kleines Tänzchen hin. Wer die psychedelischen The Heavy Eyes vermisst, wird in „Corporal Upham“ zumindest zeitweise fündig. Wieder und wieder lässt sich das Quartett treiben und beschwört dennoch stets mächig Wucht.
Intensität, Urgewalt, Spielfreude und Riffs ohne Ende sind die großen Stärken dieses Albums. Eine gewisse musikalische Verfeinerung war angekündigt worden, und exakt das setzt es letztlich auch auf dem ersten Album seit sechs Jahren. „Focus“ rückt den geradlinigen, verschwitzten Rock weiter in selbigen. Psychedelische Ausritte werden zurückgefahren, Stoner und Heavyness halten vermehrt Einzug. Vor allem hört man der US-Band den Spaß an der Musik an, das Abfallen großer Lasten und die in jeder Note greifbare Energie. Dieses bluesige und rohe Comeback ist ein echtes Sommer-Statement geworden.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 12.06.2026
Erhältlich über: Magnetic Eye Records / Kozmik Artifactz
Website: www.theheavyeyes.com
Facebook: www.facebook.com/TheHeavyEyes


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