Psycroptic – The Pulse Of Annihilation

(c) Rae Chatten
Es mag zwar mittlerweile etwas länger zwischen den Alben dauern, doch lassen sich die Tech-Death-Veteranen Psycroptic immer wieder etwas einfallen. Auf dem vor vier Jahre erschienenen „Divine Council“ begrüßten sie mit Jayson Keyser (Origin) einen zweiten Frontmann und holten neue, progressive bis annähernd melodische Einflüsse in den vermeintlich etablierten Mix. Metal Blade ist die neue Heimat des tasmanischen Quintetts, „The Pulse Of Annihilation“ der neue Longplayer – noch epischer, wilder, technischer und groovender als zuletzt, so die vollmundige Ankündigung von Gitarrist und Hauptsongwriter Joe Haley.
Bestens Beispiel für diesen alten, neuen Weg ist „To Embrace This Curse“, das in den groovenden Passagen durchaus an Lamb Of God erinnert, bevor das Quintett mit gewohnter Wut um sich schlägt. Nicht weniger überraschende, kurze und heftige Meshuggah-Breitseiten überfordern für wenige Sekunden komplett, bevor sich Keyser und Jason Peppiatt einmal mehr die Bälle zuspielen. Ähnlich wild, wenngleich nicht ganz so vertrackt, fällt „Gathering A Venomous Herd“ aus. Der erste Vorbote des neuen Albums fällt mit der Tür ins Haus, überschlägt sich zwischenzeitlich beinahe selbst und bewegt sich stets am absoluten Limit. Das ist gerne mal nur schwer zu verdauen, in seiner Urgewalt aber großes Kino.
Als Herzstück geht wahrscheinlich das zur Albummitte platzierte „Our Pillars Fall“ durch, das sich sogar der Sieben-Minuten-Marke annähert. Hier dem ellenlangen, ominösen Intro verbirgt sich erst einmal zermürbende Schwerfälligkeit. Urplötzlich legen Psycroptic eine Art imaginären Schalter um und rattern vehement los. Die Kombination von Thrash-Groove, einer homöopatischen Dosis Melodic Death und technisch versierter Explosivität macht Laune, das mit Keyboards und hymnischer Apokalypse versehene Schlussdrittel kann tatsächlich überraschen. Doch auch die kurzen, unmittelbaren Episoden wie das beißende, in manchen Momenten sogar leicht eingängige „No Blade Of Grass“ machen Laune.
Ist es überhaupt noch überraschend, dass Psycroptic hier immer wieder zu überraschen wissen? Die schiere Wucht ihres neuen Longplayers macht Laune und treibt die nunmehr bestens bekannte Evolution in Richtung Groove, Epik und etwas Melodie erneut voran. „The Pulse Of Annihilation“ fällt angenehm giftig und komplex aus, hat einige der eingängigsten Momente im bisherigen Schaffen der Australier dabei und widmet sich mehr denn je einem dynamischen Gesamtbild, das sich konstant häutet, mit ausgesuchter Präzision überfordert und nach wie vor mehr als genug Urgewalt besitzt, um einfach alles platt zu machen. Psycroptic werden gleichzeitig herausfordernder und zugänglicher – ein mehr als beeindruckendes Kunststück.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 17.07.2026
Erhältlich über: Metal Blade (Sony Music)
Website: www.psycroptic.com
Facebook: www.facebook.com/psycroptic


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