No Cure – It Is Going To Get Dark

| 9. Juli 2026 | 0 Comments
No Cure

(c) Nick Chance

Eigentlich müssten No Cure auf Wolke 7 schweben. Das Quartett aus Alabama veröffentlichte diverse starke Kleinformate, zuletzt eine beißende Hommage „I Hope I Die Here“ an ihre Heimat, tourte fleißig und zerlegte ein Venue nach dem anderen. Das zermürbende Leben als Live-Band hinterließ Spuren, zudem sah man sich mit persönlichen Verlusten konfrontiert. Existenzängste, soziale Verrohung, interne und externe Konflikte begleiten ihr erstes Album, das kaum einen besseren Titel für den gesellschaftlichen Status Quo haben könnte: „It Is Going To Get Dark“.

Der unfassbar wütende, rohe Auftakt „When The Spasms Cease“ mit seinen existenziellen Zeilen und bleiern groovender Schwere überfordert. Blaythe Steuer zerbrüllt das Geschehen, wiederholt eingestreute Heavyness zermürbt mit wachsender Begeisterung, bis zum angenehm schwerfälligen Finale. „Convulsing In The Dark“ wirkt wie die musikalische und thematische Fortsetzung, hat eine mächtige Portion Slam für sich gepachtet und ringt um Luft. Das abschließende „Everything I Love Is Dead Or Dying“ spannt schließlich den Bogen zu apokalyptischen Klängen und reitet dem Untergang mit tödlicher, angenehm ranziger und doch ausrastender Wucht entgegen.

Dazwischen setzen No Cure wieder und wieder kleine Spitzen, darunter das betont unbequeme „Starved In Sanctuary (My Hands Are In Your Chest Cavity)“, das alleine aufgrund seines Titels Unbehagen auslöst. Metallischer Hardcore, Deathgrind-artige Zwischensprints und erstaunlich melodische Leads wechseln sich ab. Das gemeinsam mit den Hardcore-Heavy-Hittern Bayway NJ eingespielte „Brain Matter Displacement“ zerlegt ab der ersten Sekunde alles und stimmt das vielleicht beste Breakdown des gesamten Albums an. Gäste gibt es übrigens in rauen Mengen – wie Skyler Conder (Varials), der das frontale „Sharpen The Blade“ zerstückelt, Vincent Bennett (The Acacia Strain) im tödlichen, überlebensgroßen „Purity Spiral“ oder Tyler Short (Inclination) im vertrackten Abräumer „Ironclad“.

Kapitale Überforderung, komplette Reizüberflutung und noch so vieles mehr: Mit dem Mut zunehmend sinnloser Verzweiflung rattern No Cure durch dieses erste Album. Dass hier nach gut 33 Minuten Schluss ist, kommt einer Erlösung gleich – nicht etwa, weil irgendetwas hieran auch nur annähernd schlecht wäre, sondern weil die musikalische und inhaltliche Überforderung sehr, sehr schnell einsetzt. „It Is Going To Get Dark“ hat Endzeitcharme, begrüßt den Untergang jedoch und arbeitet sich gleichzeitig an eigenen Problemen und Rückschlägen ab. Wenig Hoffnung, dafür ein weiterer mächtiger musikalischer Schritt, erdrückende Extreme und starke Gäste lassen keine Zweifel aufkommen: No Cure zählen zu den chaotisch-metallischen Hardcore-Abräumern der Stunde, jetzt mehr denn je.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 10.07.2026
Erhältlich über: SharpTone Records (Warner Music)

Facebook: www.facebook.com/nocurestraightedge

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Category: Magazin, Reviews

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