If These Trees Could Talk – The Hidden Hand

(c) Sondra Kelly
Gut Ding trifft Weile: Mit „The Bones Of A Dying World“, ihrem Einstand für Metal Blade, rannten If These Trees Could Talk offene Türen ein. Das ist mittlerweile stolze zehn Jahre her. Abgesehen von einer einzelnen Single 2024 herrschte im Anschluss weitestgehend Funkstille. Drummer und Mitgründer Zack Kelly spricht von mehreren Aufs und Abs während des Entstehungsprozesses, es dauerte definitiv länger als geplant, und doch soll das Ergebnis für sich sprechen. „The Hidden Hand“ konzentriert sich auf vertraute, rein instrumentale Post-Rock-Qualitäten mit etwas Prog und Metal zwischendurch.
Das nach einem kurzen Intro einsetzende „Moon Machine“ macht binnen Sekunden deutlich, dass die Band aus Akron, Ohio rein gar nichts verlernt hat. Ihr nach wie vor cineastisch geprägter Ansatz setzt gleich mehrere intensive Fanfaren frei. Hoffnungsvoll, anmutig und aufbrausend zugleich, so zeigt sich dieses wechselhafte Mini-Epos. Acht Minuten lang toben sich If These Trees Could Talk aus, wobei der Kontrast aus wütenden, fast metallischen Plateaus und proggigen Einschüben besonders gut kommt. Das anschließende „Sea Of Glass“ spielt mit oft schwerfälliger Melodik und arbeitet unaufhörlich auf das erwartbare, immer größer werdende Crescendo zu.
Am anderen Ende dieses Albums lauert mit „Film“ eine echte Überraschung. Mit einem Aphex-Twin-Cover war eher nicht zu rechnen, wobei die fast vergnüglichen Dissonanzen erstaunlich gut zum Rest der Platte passen. Diese bekommt mittendrin einen angenehm herausfordernden Zweiteiler verpasst. Im ersten, deutlich kürzeren Abschnitt bereitet „Silence Between Mountains“ durch fast verloren anmutende Gitarrentöne nur unzureichend auf das folgende Kapitel vor. Zwar sorgen Schlagzeug und Bass anfangs für etwas mehr Wumms, doch konzentriert sich die US-Band erst einmal viel lieber auf federnden Spannungsaufbau. Ein unwahrscheinlich noisiges, metallisches Finale stößt im besten Sinne vor den Kopf und perfektioniert die Überforderung.
Kein großer Stilbruch, keine komplette Revolution, dafür mehr als solide Weiterentwicklung mit nach wie vor richtig guten Songs: If These Trees Could Talk knüpfen nahtlos an ihr bisheriges Schaffen an und pendeln sich auf hohem Niveau ein. Ihre Begabung für großes Storytelling und imposantes Songwriting selbst im feinsinnigsten Bereich unterstreicht die US-Band ein weiteres Mal, spannt den Bogen geschickt von klassischer Prog-Rock-Gitarrenarbeit bis hin zu schwermetallischen, wütenden Eskalationen. „The Hidden Hand“ glänzt aber vor allem aufgrund seiner vielfältigen, mitreißenden Zwischentöne, punktet durch feinsäuberliche Arrangierung und ein unbestrittenes Händchen für maximales Ausreizen aufwühlend-intimer Momente. Das Warten hat sich ohne Frage gelohnt.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 10.07.2026
Erhältlich über: Metal Blade (Sony Music)
Facebook: www.facebook.com/treescouldtalk


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