Ravaged By The Yeti – Snowbound Horror

(c) Ravaged By The Yeti / Testimony Records
Was wäre die Metalwelt ohne Rogga Johansson? Um einiges unproduktiver, das steht wohl fest. Der Mann der tausend (Band-)Projekte widmet sich zumindest für diesen Monat Ravaged By The Yeti. Ein erstes, sehr langes Album erschien vor drei Jahren, die ursprüngliche Besetzung zerlegte sich schnell in ihre Einzelteile. Gemeinsam mit den umtriebigen Michael Borders (Bass) und Jon Rudin (Drums), die jeweils unter anderem Massacre-Erfahrung mitbringen, wurde das überdimensionale Biest aus dem ewigen Eis reanimiert. „Snowbound Horror“ widmet sich Old School Death Metal der brutalen, hässlichen und gefährlichen Sorte.
Vergleichsweise kompakte elf Songs in knapp 35 Minuten reduzieren zumindest die undurchdringliche Masse, mit der der Einstand noch überforderte. An der erwartungsgemäßen Urgewalt ändert sich allerdings herzlich wenig. Tracks wie der Opener „Vengeance In Fur“ toben sich im Namen der alten Schule aus. Auf ein behäbiges Intro folgt wüster Dauerdruck mit einer feinen Portion Druck. Johansson growlt und brummt wie in besten Zeiten, die Rhythmusabteilung prügelt sich ein und nimmt das Tempo zwischenzeitlich gekonnt raus, die Gitarre singt und sägt mit wachsender Begeisterung. „As Fangs Go Deep“ geht es stellenweise sogar noch gemächlicher an, nähert sich kurz Death-Doom-Gefilden und langt schließlich beherzt zu.
Diese giftige Präsentation macht Laune. „Tusk Of The Yeti“ scheint sogar eine heiße Sohle aufs Parkett zu legen, nur um die Double-Bass durchzutreten und einen grantigen Frontmann bizarre Verse speien zu lassen. Statt Groovemonster setzt es pure Wut, und „By The Hands Of The Beast“ schraubt das Tempo sogar noch weiter nach oben. Schroffe Uptempo-Action nähert sich Grind-Gefilden, der Old-School-Ansatz zwischen skandinavischen Wurzeln und alten Florida-Death-Bands macht Laune. Schließlich winkt „Land Of Ice And Snow“ zum Abschluss nicht etwa mit einem Querverweis auf Led Zeppelin, dafür aber mit dem vielleicht besten Riff der gesamten Platte und dem feinsten Hauch von Melodik im Abgang.
Ravaged By The Yeti genießen eine kleine, aber feine Metamorphose, was nicht nur am runderneuerten Line-up liegt. Deutlich mehr musikalischer Fokus, etwas längere Tracks und eine gekonnte Mischung aus Groove und Brutalität bieten Unterhaltung. Johansson kann seine ganze Klasse und Routine ausspielen, hat eine mehr als kompetente Mannschaft an seiner Seite und spielt mit den vermeintlichen Grenzen der alten Schule. „Snowbound Horror“ ist fies, giftig und unwirtlich, bloß auf eine angenehm sympathische Weise. Mehr braucht es tatsächlich nicht zum vollkommen ranzigen Glück.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 10.07.2026
Erhältlich über: Testimony Records
Facebook: www.facebook.com/RavagedbytheYeti


Letzte Kommentare