Sunn O))) – Sunn O)))

| 29. Juni 2026 | 0 Comments
Sunn O)))

(c) Charles Peterson

Zurück zur Natur, zurück zur Abgeschiedenheit, zurück zum Duo: Sunn O))) haben ihr erstes reguläres Album seit dem Doppelschlag 2019 veröffentlicht. Und das unter besonderen Vorzeichen, denn Stephen O’Malley und Greg Anderson entschieden sich dieses Mal bewusst dafür, keine Mitstreiter einzuladen, sondern nahmen erstmals auf Albumlänge alle Instrumente selbst auf. Wichtig war der Standort ihres Studios im US-Bundesstaat Washington – mitten in der Natur, mit Wanderwegen vor der Haustür. Diverse Nebengeräusche schlichen sich auf dem schlicht „Sunn O)))“ betitelten Werk ein, zugleich die erste komplette Platte für die neue Heimat Sub Pop Records.

Und diese gestaltet sich durchaus monumental – sechs Songs, knapp 80 Minuten Spielzeit reizen die Grenze des Erfassbaren selbstverständlich aus. Wie auch das etatmäßige Verharren in Statik, das jedoch oft trügerisch sein kann. „Does Anyone Hear Like Venom?“, der einzige Track unter zehn Minuten, lässt aus dem Nichts einen schneidenden, singenden Ton auftauchen, verheerendes Feedback, während der Song langsam in Richtung Chaos unterwegs ist. Das abschließende, schroff aufbrausende „Glory Black“ knüpft ein wenig an die jüngste EP an, fällt mit der Tür ins Haus und schlägt einzelne Klaviertöne betont heftig an. Das fährt durch Mark und Bein, ebenso der zwischenzeitliche Zusammenbruch vor dem Neustart.

Zwei 18-Minüter umspielen dieses Album. Da wäre einerseits „Mindrolling“, das tatsächlich so etwas wie ein Intro aufweist, bevor das Ding nach 30 Sekunden urplötzlich, vehement loslegt. Dröhnender Anti-Doom lähmt sämtliche Sinne, die überdimensionale Wand wird hochgezogen. Und doch passiert im Vergleich zu anderen Abschnitten herzlich wenig. Sunn O))) konzentrieren sich auf das Verharren in schmerzender Tonalität, lassen gelegentliche noisige Schleifen vorsichtig singen und definieren sich über ermattende Monotonie. Wie auch „XXANN“, der kaputte Einstieg mit überraschendem Sägen zur Halbzeit. Wurde hier ein Cello zerlegt? Tatsächlich wird entstellten Gitarren purer Wahn abgewonnen, bis zum launischen Finale.

Dieses Album macht fertig und zermürbt komplett – eben ein Hochgenuss für alle hyperaufmerksamen Sinne. Sunn O))) setzen auf zähen Angriff und maximale Schwere. Bis zum absoluten Limit ausgereizte Spielzeit, etatmäßig schwierige und überfordernde Schleifen, betontes Kargland und komplette Reduktion spielen gekonnt zusammen und erinnern an die absolute Doom-Essenz der Anfangstage, umgesetzt unter kontemporären Gesichtspunkten. Das selbstbetitelte Album konzentriert sich auf die Essenz der Band und langt mit unbeschleunigter Intensität zu. Diese Messe verstört einmal mehr in bestechender Form.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 03.04.2026
Erhältlich über: Sub Pop Records (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/SUNNthebandOfficial

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Category: Magazin, Reviews

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