Occult Hand Order – Meaningless Monuments

(c) Louison Rouletabille
Für den Wahnsinn von Occult Hand Order müsste man eigentlich erst eine eigene Kategorie erfinden. Das Quartett aus dem französischen Lyon folgt einer ganz eigenen Auffassung von betont leichtfüßiger Heavyness, spannt den Bogen von Sludge und Doom bis Post Rock und Shoegaze, tobt sich in einer Fülle von Zwischentönen und Eigenheiten aus. Das im Herbst 2023 veröffentlichte „Silence By The Raging Sea“ hallt noch als Geheimtipp nach, mit „Meaningless Monuments“ soll der berühmte nächste Schritt gewagt werden.
Der Opener „Błędów“ nimmt schon mal souverän Kurs und kostet seine zehn Minuten Spielzeit entsprechend aus. Betont gemächlich arbeitet man sich voran, erzeugt Spannung und stellt den kraftvollen, bevorzugt wie ein weiteres Instrument eingesetzen Gesang nebst instrumentale Sinnsuche. Ein erstes kathartisches Plateau ergibt sich kurz vor der Drei-Minuten-Marke, das lange instrumentale Zwischenspiel danach tänzelt filigran durch das imaginäre Auge des Sturms und findet schemenhafte Verwüstung, bevor die singende Gitarre übernimmt. „Novo Mesto“ ist nur halb so lang und fällt dafür vergleichsweise mit der Tür ins Haus. Glockenhelle Vocals treffen auf Screams, infernale Finster-Gitarrenwände und ein donnernder Basslauf nehmen das Heft in die Hand. Sogar für brachiales Geballer bleibt schlussendlich Zeit.
Im (musikalischen) Kargland von „Brno“ verbirgt sich nahezu endloser Schmerz. Wie sich der zerrissene Gesang von monolithisch-doomigen Wänden löst und um zumindest etwas Licht bemüht ist, geht nahe. Martialische Breitseiten fahren später durch Mark und Bein. Die kennt auch „Mollerussa“ bestens und setzt auf maximale Distortion bei ebenso maximaler Entschleunigung. Mit einfachsten Mitteln bauen Occult Hand Order schwer ertragbaren Druck auf, täuschen mit vereinzelten hoffnungsvollen Tönen eine kurzzeitige Wendung an, nur um mit ungebrochener Härte zuzuschlagen. Post Rock und Doom-Entschleunigung harmonieren hervoragend. Im abschließenden „Gerlach“ taucht ein vergleichsweise klassisches, derb sägendes Riff auf, rund um ein nahezu stilles Zwischenspiel drapiert. Etwas Post Black Metal und emotional aufgeladener Klagegesang zermürben.
Nichts hieran ist auch nur annähernd einfach, wohl aber verdammt gut gemacht. Tatsächlich gelingt es Occult Hand Order, sich noch etwas breiter und vielschichtiger aufzustellen, gerade im Bereich der Dynamik wurden ordentliche Fortschritte gemacht. Die plötzlichen Explosionen nach himmlischen, beinahe idyllischen Momenten erschüttern und erdrücken; noch besser ist nur, wenn beide Welten zusammentreffen und die Schönheit der Welt unmittelbar neben pure Hässlichkeit stellen. „Meaningless Monuments“ setzt den eingeschlagenen Kurs fantastisch fort, wirkt insgesamt noch einen Tacken stärker und wahnwitziger, macht richtig schön fertig. Einmal mehr riecht es bei Occult Hand Order nach dem großen Wurf.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 17.04.2026
Erhältlich über: Totem Cat Records
Facebook: www.facebook.com/occulthandorder


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