Maunah – Hjarta

(c) Søren Sol Koldsen-Zederkof
Drei Songs, vollste Aufmerksamkeit: Bereits mit ihrer ersten, im Vorjahr erschienenen EP brachten sich Maunah in Pole Position unter Doom-Melancholikern. Zwar gibt es die dänische Band erst seit 2024, doch stecken dahinter Veteranen aus Folk, Rock und Metal, die sich hörbar gesucht und gefunden haben. Verfeinerte Versionen der drei EP-Tracks und drei weitere Nummern ergeben nun „Hjarta“, das erste Album des Quintetts, das auf Melancholie, Melodie, Epik und einen stellenweise erstaunlich modernen Blick über den Tellerrand setzt.
„Heimaland“, der Titelsong besagter EP, eröffnet mit ominösen Tönen – melodisch, zart hoffnungsvoll und doch von einer unbequemen Stimmung umspielt. Søren Sol Koldsen-Zederkofs weiche und zugleich kraftvolle Stimme brennt sich ein, wirkliche Texte gibt es aber nicht. Von einem ‚Echo der menschlichen Sprache‘ ist die Rede, vom ‚Klang von Verzweiflung und freiem Himmel‘ – eine direkte Verbindung zwischen Gesang und Musik jenseits sprachlicher Limitierungen. Tatsächlich funktioniert das prima, denn sämtliche Elemente verschmelzen, während jede Schleife, jede Wiederholung den feinsinnigen Monolithen der Heavyness noch etwas größer und epischer erscheinen lässt, bis zum kraftvollen Finale.
Apropos Kraft: Von doomiger Leisetreterei halten Maunah überwiegend herzlich wenig. „Saivør“ hat zwar seine zarten, nachdenklichen Momente und nahezu folkige Auswüchse zu bieten; fast unbemerkt bereiten die Dänen eine Art Crescendo vor, werden noch lauter und härter, selbst inmitten hymnischer Melodien und einer fast sakralen tiefen Stimme. Und dann, nach viereinhalb Minuten, schießen wütende Growls und fiese Post-Black-Metal-Attacken aus den Boxen – für wenige kurze Sekunden, erdrückend und überlebensgroß. Der abschließende Titelsong „Hjarta“ hat zwar auch etwas Härte zu bieten, aber zugleich himmlische Gesangspassagen und epische Doom-Dichte, die Griftegård vermissen lassen. Der bittersüße, dramatische Schlussakt lässt nicht so schnell los.
Fans von In The Woods… und Green Carnation können hier bedenkenlos zugreifen, wiewohl Maunah keinesfalls als bloßer Abklatsch durchgehen. Zwar sind sich die Dänen ihrer Doom-Wurzeln hörbar bewusst, interpretieren diese aber auf begeisternde, erschütternde und bewegende Weise neu. Dieser melodisch-atmosphärische Ansatz samt sprachlichem Freestyling und seltenen, dafür höchst willkommenen Wutausbrüchen bringt das innere Gleichgewicht aus selbigem und zerstört mit purer, ungefilterter Emotionalität wieder und wieder. „Hjarta“ ist groß, dramatisch, intensiv, voller Herz und Tränen, verkörpert Verzweiflung wie nur wenige andere Platten und geht offenen Herzens auf bessere Zeiten zu. Was für ein außerordentlich gewaltiger Einstand.
Wertung: 9/10
Erhältlich ab: 18.09.2026
Erhältlich über: Prophecy Productions (SPKR)
Facebook: www.facebook.com/maunahband
Slider-Pic (c) Søren Sol Koldsen-Zederkof


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