Paranoid Reverb – Red River Black Roots

(c) Stergios Andreadis
Drückende Riffs mit Wüsteneinschlag aus Griechenland, da denkt man zunächst wohl an Bands wie 1000mods und Villagers Of Ioannina City. Paranoid Reverb aus Thessaloniki wollen in diese Riege vordringen. Ende 2020 erschien ihr Einstand „Billion Drops“, zu einer ungünstigen Zeit für Live-Performances. Seither konnte sich das Quintett als Bühnenmacht etablieren und nimmt den Rückenwind für den Nachfolger – zugleich der Einstand für Octopus Rising / Argonauta Records – mit. „Red River Black Roots“ klingt definitiv roher und unmittelbarer, drängt den Stoner-Ansatz zugleich weiter in eine düstere bis psychedelische Richtung.
Bei Themen wie Verfall und Verwandlung sollte das keine große Überraschung darstellen. Tracks wie „Da Capo“ bringen das wunderbar auf den Punkt, wobei die ersten Minuten noch etwas auf dem falschen Fuß erwischen. Die stellenweise beseelten Vocals werden von einer locker angeschlagenen Gitarre und der Rhythmusabteilung begleitet, überraschend ruhig und nachdenklich. Erst nach knapp vier Minuten hebt der Koloss ab, wird von übermannender Heavyness geradezu erschlagen und wandelt das psychedelisch angehauchte Grundgerüst in einen mächtigen Kinnhaken um. Im Quasi-Titelsong „Red River“ kommt das Quintett schneller auf den Punkt und illustriert einmal mehr ein gewisses Faible für fiese metallische Kanten.
All das ist jedoch nichts gegen das abschließende „QuickSand“, ein mehr als sieben Minuten andauernder Gigant, der ab der ersten Sekunde für apokalyptische Bedrängnis sorgt. Beißende Härte und ominöse Finsternis in den Strophen wechseln sich ab, die psychedlischen Sound-Anteile scheinen in Zeitlupe in Richtung Hölle zu ziehen. Aus dem Nichts explodieren Paranoid Reverb und schlagen mit doomiger Wucht zu – ein echter Leckerbissen. Zum Ausgleich serviert „0315“ bodenständigen Desert Rock, furztrocken und angenehm unmittelbar. Vergleichweise kurze viereinhalb Minuten arbeiten sich durch eine Wand an Riffs.
Ein wahres Bollwerk von einem Album langt mit wachsender Begeisterung zu und überfordert erst einmal. Klar, Paranoid Reverb haben ein hörbares Herz für Stoner-Wahnsinnstaten, gehen jedoch vergleichsweise locker und lässig mit Schubladen und Erwartungen um. Deutlich mehr Härte und Düsternis sorgen für beste Unterhaltung, begleitet von bedrohlicher Atmosphäre und dicken Riffs. Die psychedelischen Exkurse zwischendurch halten „Red River Black Roots“ zusammen, wirken wie etwas zu lockere Hängebrücken, die letztlich doch ihren Zweck erfüllen. Speziell in den massiven, doomigen Epen zeigen sich die Griechen von ihrer besten Seite. Auf Paranoid Reverb sollte man künftig mindestens ein Auge und Ohr haben.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 18.09.2026
Erhältlich über: Octopus Rising / Argonauta Records
Facebook: www.facebook.com/ParanoidReverb


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