Lack – Lack

(c) Jens Raadal
Es mag ein billiges Wortspiel sein, aber man gönnt sich bekanntermaßen sonst nichts: 2008 war bei Lack selbiger ab. Die Dänen hatten kurz zuvor ihr drittes Album veröffentlicht, eine Fülle an Shows in ganz Europa und Nordamerika gespielt, doch war erst einmal alles gesagt. Zuletzt waren die vier Musiker unter anderem bei Rising, Tvivler, Total Heels, Anchorless und No Light tätig. 2021 folgte das Comeback – erst für ausgewählte Konzerte, dann tastete man sich ohne große Pläne an neues Material heran. Das Ergebnis hört auf den Namen „Lack“ und krempelt – wie schon auf den Vorgängern – sämtliche Hardcore-Erwartungen mit wachsender Begeisterung um.
Sie kehren mit ihren „Heads Held High“ zurück, das lässt sich konstatieren. Der gleichnamige Track legt kleinere Anlaufschwierigkeiten schnell ab und rollt wie eine Dampfwalze los. Mit dabei sind jene flirrende Gitarren, die in der Vergangenheit gerne mal in Richtung Indie und Alternative abdrifteten – der perfekte Gegenpol zum drückenden (Post-)Hardcore, den Thomas Burø mit seinen pointierten Shouts antreibt. Selbst für ein finsteres Break mittendrin bleibt Platz. Deutlich störrischer und unbequemer gibt sich „Kids With Kalashnikovs“, ein stellenweise brutalistisches Stück Musik, das sich in nervösen Druckwellen entlädt und mit der eigenen Spannung ringt.
In „Mapmakers“ wagen sich Lack noch weiter hinaus, nicht nur aufgrund der opulenten Spielzeit von sechs Minuten. Schleppende Drums, schrammelnde Gitarren und ellenlange Sinnsuche verharren in einem erstaunlich mobilen Limbo-Zustand. Beinahe unbemerkt verfinstert sich der Himmel, von ein paar Harmonien auf die falsche Fährte geführt, bis zur finalen Verpuffung. Im Gegensatz dazu rattert „Boltguns Are Painless“ kurz und pointiert durch, spannt den Bogen von legeren Rockklängen zu wütenden Attacken. „Lemons“ kann das noch toppen, denn obwohl die Kombination aus Drums, Bass und leicht neben der Spur operierenden Vocals zunächst mit Post Punk überrascht, fallen die urplötzlichen Eruptionen erstaunlich martialisch aus.
Hardcore als Blank Canvas für ausufernde und doch stets mitreißende experimentelle Variationen: Lack beweisen einmal mehr ihren Hang zum Bruch mit Konventionen und Formensprache. Post-Hardcore ist weiterhin bestenfalls eine ungefähre Überschrift für das, was sich in diesen neun Tracks abspielt. Eine gewisse Härte bildet natürlich das Rückgrat, trifft aber auf schrammelnde Gitarren, auf Punk und Alternative Rock, auf Math und Jazz, nur um im nächsten Moment am Stand durchzudrehen. Das Comeback auf Albumlänge braucht Zeit und gelingt auf allen Ebenen – Lack definitiv wieder aufgetragen.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 11.09.2026
Erhältlich über: Dream Bureau
Facebook: www.facebook.com/lackattackdk


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