a-tota-so – I Told You So

(c) Damien Sayell
Es war ein langer Weg für einen vermeintlich kleinen Schritt: a-tota-so haben nun einen festen Sänger. Ihr erstes Album gestaltete das britische Trio noch rein instrumental, für den Nachfolger „Lights Out“ lud man sich allerlei Freunde und Szeneprominenz an vorderste Front ein, brachte das auch zumindest in Teilen auf die Bühne. Nun steht Gitarrist Marty Toner am Mikrofon, singt zum ersten Mal seit seiner Jugend und möchte dem noisig-mathematischen Alternative Rock etwas Hoffnung mitgeben. Und das ist dringend notwendig, denn „I Told You So“ befasst es sich mit den düsteren Seiten dieser Zeit.
Ominöse Klänge, ein grollender Basslauf und beiläufig angeschlagene Drums eröffnen „Death Rattle“, dem Songtitel entsprechend. Das Intro erinnert an die unheilvolle Ruhe vorm Sturm in „Raining Blood“, bloß hat der Rest des Tracks rein gar nichts damit zu tun. Erst meditative, melancholische Schwere, dann geradezu hymnischer Alternative Rock mit feinen Math-Spielereien – die Mischung ist eigentümlich, der alles andere als lineare Verlauf samt angepunktem Finale verwirrt. So könnten punkige Tool klingen. Oder auch nicht: „GRLD“ baut minutenlang auf, das Ziel bleibt unbekannt. Wütende Breitseiten und schmerzende Stimmbänder decken das Stakkato-Groove-Plateau ab – nur einer von vielen Widersprüchen.
So vieles an dieser Platte ist richtig schön schräg und eigentümlich. Wie das galoppierende „No Tears No Sound“, das sich immer wieder aufbäumt, nölende Noise-Kaskaden bemüht und auf dem Höhepunkt in die Luft geht, wieder und wieder. Post-Hardcore-Anleihen hier, Ohrwurm-Riff da, dann die urplötzliche Zäsur – daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Wie auch an „Form Of Mass“, das mit dem vielleicht freundlichsten Riff des gesamten Albums ausgestattet ist. Ausgerechnet hier erhebt Toner seine Stimme, schreit und skandiert, während fast beiläufig eingestreuter Math-Punk die Tonleiter auf und abhetzt, bis zur finalen Grandezza. All das spielt sich in etwas über drei Minuten ab.
Wenig überraschend gestaltet sich so ziemlich alles an dieser – mehr als – guten halben Stunde hochgradig gewöhnungsbedürftig. Dabei hat „I Told You So“ feine Melodien und kleine Hooks am laufenden Band zu bieten, erinnert in seinen lichten Momenten an diverse US-Alternative-Rock-Granden der 90er und 00er Jahre, nur um im nächsten Moment alles umzuwerfen und von understatetem Chaos zerschossen zu werden. a-tota-so verzichten auf klassische Noise-Wände und abgefahrene Math-Eskapaden, arbeiten stattdessen subtiler und bemühen sich um ordentlich Spannungsaufbau. Toner macht zudem auch am Mikrofon eine richtig gute Figur. Mehr und mehr scheint sich das englische Trio zu finden und legt sein bislang stärkstes Album vor.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 04.09.2026
Erhältlich über: bUTTONpUSHER records
Facebook: www.facebook.com/atotaso


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