Kulk – Choosing To Die

(c) Kulk / Church Road Records
Ihr erstes Album trug den freundlichen, einladenden Titel „It Gets Worse“ – ohne Frage prophetisch, wenngleich diese Annahme durchaus auf der Hand lag. Seither tourten das Duo Kulk aus Norwich im Osten Englands fleißig, spielten unter anderem mit Crowbar, Portrayal Of Guilt und Hey Colossus. Der abgefuckte Mix aus Doom, Sludge und Noise Rock wurde seither nur noch extremer und wüster, während sich Thom Longdin und Jade Ashleigh Squires mit den Untiefen menschlichen Leids befassen und zugleich durch die Musik ihre eigene Beziehung erweitern. „Choosing To Die“ ist der erneut hoffnungsvoll betitelte Zweitling.
„An Endless Knife“, ein Song über das Erwachsenwerden und die damit einhergehenden Verluste geliebter Menschen, eröffnet das Album mit erwartet starkem Tobak. Wütende, abgehackte Gitarren, drückende Drumsalven und verzweifelte Schreie gehen mit martialischer Urgewalt an die Substanz. Longdin presst Verzweiflung aus seinen Stimmbändern, unterbrochen durch eine lange, zermürbende Zäsur. Dieses Verharren in statischen Zwischenwelten beherrschen Kulk richtig gut – siehe und höre „The Saddest Holiday“, das zunächst mit doomiger Urgewalt losstampft, dann jedoch komplett in sich zusammenfällt. Schüterner Gesang und noisiges Feedback zerfetzen die Seele.
Einen Schönheitspreis gibt es für dieses Werk ganz sicher nicht zu gewinnen, denn das englische Duo definiert sich über herausfordernden Wahnsinn. So nimmt ein „For Blood“ wiederholt Anlauf zur Eskalation, langt kurz und wütend zu, bevor man sich für den nächsten Nackenschlag zurückzieht und auf die Lauer legt. Die unbequeme Sludge-Noise-Instrumentierung in diesen Phasen des Ausharrens bekommt dem Nervenkostüm nicht so toll. Im ausladenden „Ache“ konzentrieren sich Kulk auf essenzielle Doom-Sludge-Reduktion, stampfen mit lautem Donnern voran, während Cello-artige Klänge Schmerz, Trauer und Melancholie veranschaulichen – eine Ausdauerübung in endloser Schleife.
Letztlich brauchen Kulk nur gut 26 Minuten, um komplett zu überfordern. So hässlich, abstoßend und zugleich tiefst menschlich klingen nur wenige Bands. Das Duo aus Norwich erreicht diesen Zustand in Rekordzeit, setzt auf konsequenten Minimalismus und umfassende Erschöpfung. „Choosing To Die“ ringt mit Verzweiflung und Entfremdung, veranschaulicht seelische Untiefen und klingt dabei noch zäher, noch lärmender, noch schwerfälliger. Der regelrechte Soundwall, gepaart mit ominösen, spannungsgeladenen Zäsuren, strapaziert das Nervenkostüm bis an den Rande des Zusammenbruchs, nur um den entscheidenden Schritt weiterzugehen. Kulk schaffen Kathartis und Kopfschmerzen auf einem herrlich zermürbenden zweiten Album.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 28.08.2026
Erhältlich über: Church Road Records
Facebook: www.facebook.com/kulkband


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