Coyote Man – Prosthetic Memories

| 13. August 2026 | 0 Comments
Coyote Man

(c) Vanessa Valadez

Manche Erinnerungen sind keine, fühlen sich aber echt an. Sie sind Fragmente verschiedener Gefühle, Träume, Vorstellungen, Erfahrungen und Erzählungen, die die Welt rundherum verarbeiten. Coyote Man widmen diesem bizarren Grenzbereich zwischen Erinnerung und Erfindung ein komplettes Album – ihr insgesamt drittes und zugleich die erste komplette Platte seit 2020. Das instrumental agierende Trio aus Chicago bemüht sich auf „Prosthetic Memories“ ebenso um Musik, die sich sehr vertraut anfühlt, letztlich aber alles andere als das ist.

Bereits das eröffnende „Coping Mechanism“ legt furios los und arbeitet mit ausgesuchter Begeisterung an seiner eigenen Nische. Der Sound ist proggig und verspielt, bemüht sich um komplexe und doch stets nachvollziehbare Erzählmechanismen, sucht dabei stets den Mittelweg zwischen filigraner Technik, Atmosphäre und Heavyness. Verschiedene Prog- und Post-Präfixe mischen mit, wenn sich die schneidende Lead-Gitarre im Lauf dieser fünf Minuten wiederholt verwandelt. Wuchtige, metallische Anfänge und Enden, meditative Einschübe und der lange, verspielte Mittelteil schaffen immersive Kontraste zwischen Russian Circles und Animals As Leaders.

Der wundervolle Malstrom von „Interpreting Dreams“ bäumt sich langsam, fast gemächlich auf, spielt mit klassischen Post-Rock-Mustern und vermeidet doch die erwartete Eskalation. Selbst wenn es immer lauter und intensiver wird, bleibt der Sound erhaben – This Will Destroy You lassen grüßen. Dafür zeigt sich „War Hatchet“ ab der ersten Sekunde roh und heavy, setzt das Tempo bewusst hoch an und bemüht die Apokalypse. Und dann ist da noch „Faith In A Burning Room“, der leicht aus dem Rahmen fallende Rausschmeißer mit Gastvocals von Chris Pacific. Neo-Prog-Drama, feinsinnige Melodien und ein überdimensionales Pulverfass, das im Schlussakt nebst verzweifelten Screams hochgeht, machen Laune.

Gelegentliche Gesangseinlagen, so wie es einst bei Long Distance Calling begann, könnten ein patentes Rezept für Coyote Man sein und krönen eine bereits richtig gute Platte. Die kann natürlich bereits instrumental auf ganzer Linie überzeugen, weil das US-Trio mit seinem sehr eigenständigen Ansatz spannende Ufer beschreitet. „Prosthetic Memories“ trägt zwar Post-Rock- und Post-Metal-Elemente in sich, hat damit aber im Grunde nur rudimentär zu tun. Ganz viel Prog-Herz, narrative Dynamik und ein nahezu konstantes Wechselspiel der Gezeiten lassen aufhorchen und im Anschluss nicht mehr los. Coyote Man sollte man unbedingt gehört haben.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 14.08.2026
Erhältlich über: Eigenvertrieb

Facebook: www.facebook.com/coyotemanband

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Category: Magazin, Reviews

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