hubris. – White Shores

(c) Gaëtan Brace
Im Hause hubris. ergibt sich eine kleine thematische Neuausrichtung: Nach vier Alben, die sich mit griechischer Mythologie befassten, widmet sich Gründer und Komponist Jonathan Hohl nun J.R.R. Tolkiens ‚Herr der Ringe‘, seiner anderen großen Inspirationsquelle. Der Tod seines Großvaters brachte eine Auseinandersetzung mit Finalität und Sterblichkeit mit sich, umgelegt auf Mittelerde – wo Menschen Unsterblichkeit suchen, Elben dieser entkommen möchten und ein Filmzitat Gandalfs zum Ankerpunkt wurde: ‚Death is just another path, one that we all must take‘; zu Deutsch: ‚Der Tod ist nur ein weiterer Weg, den wir alle gehen müssen‘. „White Shores“ geht seinen eigenen Weg.
Der erste Teil des Filmzitats ergibt zugleich die Songtitel, die sich zudem mit den fünf Phasen der Trauer befassen. Das erklärt auch „death“ als Titel des Openers, wobei man sich keine rohen, ruppigen Nackenschläge erwarten soll. Die Schweizer bleiben ihrem rein instrumentalen, verspielten und sorgsam orchestrierten Post Rock treu, das zeigt sich auch während diesen mehr als acht Minuten. Langsamer Aufbau in Richtung Plateau, ein erstaunlich rockiger Riff-Einschub mit ordentlich Heavyness zwischendrin und schließlich ein ausgedehntes Crescendo mit singenden Gitarren machen Laune. Doch auch im stillen, verwässerten Abgang verbirgt sich viel Magie.
Davon hat auch „just“ mehr als genug zu bieten, noch länger und noch ausladender ausgefallen. Der rollende Basslauf blubbert und führt auf die falsche Fährte, täuscht erst einmal unbequeme Heavyness an. Emotionale Schwere nimmt zunächst das Heft in die Hand und wandelt Flehen in eine der härtesten Passagen dieses Albums um. Das erinnert schon mal im besten Sinne an die Anfänge von Long Distance Calling und Collapse Under The Empire, immer mächtiger und intensiver werden. hubris. splitten den Schlussakt in zwei Teile auf und erkennen darin womöglich mehrere Pfade – das ominöse, schließlich aufbrausende und halbwegs versöhnende „path I“ sowie das suchende, intensiv erzählende „path II“.
Episch, immersiv, aufwühlend und selbst in seinen nachdenklichen Momenten lebensbejahend: Der bewundernswerte Umgang mit Trauer und einschneidenden Erlebnissen zeichnet hubris. aus. „White Shores“ serviert Post Rock der feinsinnigen, verspielten und packenden Art, der mit behutsamer Vorsicht, angenehm klassischem Aufbau und unmittelbarem Umgang mit Emotionen selbst in instrumentaler Stille viel zu tun hat. Godspeed schwingen mit, gewisse Parallelen zur jüngsten Mono-Platte ergeben sich von selbst. Die Schweizer zeigen sich erneut richtig stark und lassen das Herz übergehen.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 10.09.2026
Erhältlich über: Eigenvertrieb
Website: www.hubrisband.com
Facebook: www.facebook.com/Hubrisband


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