Mono – Snowdrop

(c) Carlos Cruz
Der viel zu frühe Tod von Produzentenlegende Steve Albini nahm Mono schwer mit. Seit vielen Jahren hatten die japanischen Post-Rock-Urgesteine auf dessen Geschicke am Mischpult gesetzt, längst wurde daraus eine jahrzehntelange Freundschaft. Anstatt sich auf reine Trauerarbeit zu konzentrieren, wollte das Quartett Dankbarkeit ausdrücken und Erinnerungen kultivieren. Gemeinsam mit Brad Wood (u. a. Touché Amoré, The Smashing Pumpkins), einem zehnköpfigen Orchester und einem achtköpfigen Chor ging es in Albinis altes Studio, um mit „Snowdrop“ eine der intensivsten Platten der illustren Bandgeschichte einzuspielen.
Einer dieser besonderen neuen Songs ist „Winter Daphne“, das Gegensätze überaus eindrucksvoll nebeneinander positioniert. Anfangs klingen Mono so roh und heavy wie selten, von der noisigen Umsetzung bis zur metallischen Note wie eine Reminiszenz an Albini angelegt. Nach und nach arbeitet sich das Orchester in den Vordergrund, dann reißt der Song kurz vor der Eskalation ab und baut eine minimalistische, intime zweite Hälfte mit bewegendem Chor auf. Noch spiritueller und symphonischer wird es wohl nur in „Bells Of Ireland“, überwiegend mit Klavier und Strings bestritten, mit übersichtlichem Gitarreneinsatz und einer natürlichen Magie, die man so eher von Sigur Rós erwarten würde.
„Gerbera“ ist weiteres kleines Meisterwerk geworden, wie Post-Rock-gewordenes Frühlingserwachen, mit wachem Blick und großem Erstaunen durch die Natur spazierend, während ringsum im Zeitraffer alles aufblüht. Mono legen Schicht auf Schicht auf Schicht auf Schicht, bis der Gigant beinahe unter seinem eigenen Gewicht zusammenbricht. Das epische Crescendo ist wahrhaft majestätisch geworden. Derlei Zuspitzung deutet das abschließende „Farewell To Spring“ immer wieder an. So symphonisch und lebensbejahend klingen die Japaner nur selten, der überlange Abgang selbst geht mit seinen zarten Schritten unter die Haut.
„Snowdrop“ ist das beste Mono-Album seit vielen langen Jahren, ohne Frage. Das liegt natürlich (auch) an den sehr besonderen Begleitumständen, doch wollten es die Japaner wohl sich und ihrem viel zu früh gegangenen Wegbegleiter so richtig beweisen. Die Idee, einen kaum in Worte zu fassenden Schock rein instrumental und betont hoffnungsvoll zu vertonen, ist ein sehr cleverer Kunstgriff, fügt sich zugleich nahtlos in die Riege des bisherigen Schaffens ein, klingt entschiedener und energischer, aber auch fragiler und behutsamer als zuletzt. Großartige Gegensätze schaffen großartige Musik und unterstreichen die Ausnahmestellung Monos ein weiteres Mal.
Wertung: 9/10
Erhältlich ab: 12.06.2026
Erhältlich über: Temporary Residence (Cargo Records)
Website: www.monoofjapan.com
Facebook: www.facebook.com/monoofjapan
Slider-Pic (c) Carlos Cruz


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