156/Silence – From A Distance

| 2. September 2026 | 0 Comments
156/Silence

(c) Errick Easterday

Die konstante Veränderung ist ein Teil von 156/Silence. Was einst im Hardcore und Mathcore begann, durchlebte seit dem vor zehn Jahren erschienenen Einstand diverse Metamorphosen und ist mittlerweile irgendwo zwischen Metalcore, ein wenig Beatdown, Alternative Rock und Metal mit cinematischer Intensität angekommen. Nach dem starken „People Watching“ entstand eine Art spirituelle Fortsetzung, noch eine Spur düsterer und intensiver. „From A Distance“ ist der Einstand für Pure Noise Records und zugleich das insgesamt sechste Studioalbum, begleitet von einer einschneidenden personellen Veränderung.

Nicht dabei ist der im Vorjahr überraschend verstorbene Bassist Luke Booker, dem die hier nicht enthaltene Single „Our Parting Ways“ als ergreifendes Farewell gewidmet wurde. Seinen Platz übernahm Mike Ernst, von 2015 bis 2017 erster Frontmann der Band. Das notgedrungen umgestellte Line-up ist – wenig überraschend – bärenstark unterwegs. Nach dem fragmentierten Intro / Song „Control Burns“ mit einem ‚Severance‘-Sample überrascht „No Arms“ mit sehr präsenter Synth und melodischer, dennoch düsterer Hook. Die Inspiration durch Gaming-Soundtracks (‚Resident Evil‘ und ‚Silent Hill‘ werden ebenso als Einflüsse genannt, wie auch die legendäre Serie ‚Twin Peaks‘) ist unüberhörbar und sorgen für einen leicht schaurigen Touch. Dahinter verbirgt sich sogar semi-klassischer Metalcore mit gelegentlichen wütenden Screams und einem kathartischen Refrain. Der Weg dorthin fällt bloß etwas länger aus.

156/Silence wählen gerne den etwas weiteren Weg für mehr Tiefgang und Atmosphäre. Das Ergebnis spricht für sich – siehe und höre Tracks wie „Proxy Idols“, das gemächlich anrollt, wütende Screams durch bittersüße Harmonien ablöst und am Höhepunkt einen der wütendsten Breakdowns des gesamten Albums lostritt – ein Spiel mit eindrucksvollen Gegensätzen. Im Vergleich dazu wirkt „Cannon Fodder“ mit Mike Hranica von The Devil Wears Prada fast konventionell, destilliert modernen, technisch anspruchsvollen Metalcore auf seine Essenz. Hranica ist aber keineswegs der einzige Gast: Alex Reade von Make Them Suffer verleiht dem anmutigen, semi-balladesken Titelsong noch mehr Tiefgang, während Tony Castrat von Crippling Alcoholism das finstere, mit Nu-Hardcore flirtende „Collateral“ unterstützt. Ebenfalls nicht von schlechten Eltern: „Swept From Under (Call Of The Void)“, ein auf dem Stand eskalierendes Hackbrett mit zarter Melancholie im Fundament.

„From A Distance“ braucht viel Geduld, denn dieser finstere, gerne mal unbequeme und hochgradig volatile Sound ist nun wirklich alles andere als leicht verdaulich. Macht aber nichts, denn diese erneute stilistische Verfeinerung bekommt 156/Silence richtig gut. Gleich mehrere Herzen schlagen – ach – in der kollektiven Brust des Quintetts aus Pittsburgh, das seine Fühler mal eben weiter ausstreckt. Die Horror-Soundtrack-Anteile, die dystopischen Serien-Referenzen und die stets gespannte, unheilvolle Atmosphäre bieten eine starke Bühne für den modernen Metalcore-Ansatz, der elektronisch und experimentell, derb und technisch versiert, aber auch hymnisch und melodisch ausgelegt wird. Laufende Häutungen treffen auf musikalische Geschlossenheit und feine Überraschungen für ein weiteres bärenstarkes Album einer Band, die längst wesentlich größer sein sollte.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 04.09.2026
Erhältlich über: Pure Noise Records (SPV)

Website: www.156silence.com
Facebook: www.facebook.com/156Silence

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Category: Magazin, Reviews

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