The Cartographer – The Collapse Of A Bitter End

| 13. September 2026 | 0 Comments
The Cartographer

(c) Rise Again Photography UK

The Cartographer gehören mittlerweile gewissermaßen zum englischen Metal-Underground-Inventar. Das Quintett aus Derby tobt sich seit zehn Jahren auf diversen Kleinformaten aus, rund um Deathcore und ähnlich moderne, brutale Einflüsse angesiedelt. Die letzten Jahre waren alles andere als einfach, vom pandemischen Stillstand über unruhiges Privatleben bis hin zu mehreren Line-up-Wechseln. Nach dem Abgang von Gründungsmitglied James Harrison, dessen letzte Songs nun erscheinen, bemühte man sich darum, als Songwriting-Einheit zusammenzurücken und zugleich individuelle Einflüsse besser zu betonen. „The Collapse Of A Bitter End“ ist das erste Album der Band.

Und das beginnt mit einem Paukenschlag: „Blood“ braucht zwar ein wenig, um apokalyptisch-symphonische Elektronik abzulegen, langt dann aber beherzt zu. Wüster Deathcore mit allerlei metallischen Einflüssen bietet ein Festmahl für Schwarzmaler, während Jay Roberts seinen Stimmbändern gar Unmenschliches entlockt. Pure Brutalität, ein wenig angedeuteter Groove und martialische Blasts geben sich die Klinke in die Hand, bis zum schwerfälligen Finale. Bevor man die innere Mitte wiederfinden kann, streckt das folgende „Snake Tongue“ ein zweites Mal nieder. Etwas gedrosseltes Tempo und Heavyness in Reinkultur langen wieder und wieder zu, bis zum ernüchternden Ende.

Dieser Einstand ist voller Leckerbissen, und „Griefworn“ gehört definitiv dazu. Djent-artige Gitarren duellieren sich mit der massiven, alles vernichtenden Rhythmusabteilung, während ein Hauch Elektronik und Synths ringsum bedrohlich schimmert. Es riecht nach Untergang, Ziel ungewiss. Von falscher Zurückhaltung hält „Dirt“ herzlich wenig und benötigt bloß zweieinhalb Minuten für die komplette Reizüberflutung. Speziell der wabendere verlängerte Abgang schmerzt. An anderer Stelle nähert sich „Into The Gloom“ erstaunlich hymnischen Klängen an, nur ein wenig Gesang von Metalcore entfernt und doch The Cartographer in Reinkultur. Roberts verarbeitet hier innere Kämpfe und Unruhen auf höchst anschauliche Weise.

Nichts hieran ist einfach oder gar zugänglich, alles muss man sich erkämpfen: Vielleicht macht gerade diese Eigenheit den Einstand von The Cartographer so gut. Die verlängerte halbe Stunde führt schon mal an den Rand des Wahnsinns, blickt den Abgrund hinab und sucht gleichzeitig nach einem besseren Selbst. Das verspricht auf allen Ebenen starken Tobak, geht weit über etwaige Deathcore-Limitierungen hinaus und spuckt technisch versierte, anspruchsvolle Musik mit geschmackvoller Brutalität aus. „The Collapse Of A Bitter End“ interpretiert ein alles andere als auserzähltes Genre auf halsbrecherische, mitreißende Weise neu.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 18.09.2026
Erhältlich über: Eigenvertrieb

Facebook: www.facebook.com/TheCartographerUK

Teile diesen Artikel

Tags: , , , , , ,

Category: Magazin, Reviews

Demonic-Nights.at - AKTUELLES