Ølyp – I(m)MORTAL

| 19. September 2026 | 0 Comments
Ølyp

(c) James K. Barbosa

Monolithische Musik verleiht der Sprachlosigkeit eine Stimme: Ølyp fanden sich in den Fjorden Norwegens, sind aber mittlerweile in Frankreich zuhause. Das Duo versteht sich auf instrumentale Klänge zwischen Rock und Metal mit Post- und Prog-Präfixen, irgendwo zwischen technischem Anspruch und emotionaler Intensität. Exakt das zeigt sich auch auf ihrem ersten kompletten Album: „I(m)MORTAL“ sucht einen imaginären Mittelweg zwischen erdückender Intensität und der puren Schönheit des Moments.

Besonders gut gelingt das in „Molden“, einer von mehreren Songs mit unterstützendem Streichquartett. Dabei geht es vergleichsweise konventionell los, irgendwo im losen Umfeld von Caspian und Russian Circles, mit zunehmender Intensität und erstaunlich metallischer Action vor einem plötzlichen Kollaps. Schüchterne Streicher fahren in die Stille, bevor ebenso plötzlich beide Welten zusammengeführt werden – ein explosiver, dramatischer Cocktail mit verplanter Prog-Coda hintendran. Dass im direkten Anschluss „One’s Tormented Mind Is A Crumbling Universe“ erst einmal auf pure Heavyness setzt, ein paar Blasts andeutet und sich im anmutigen Finale richtig groß macht, passt irgendwie.

Packende Episoden bietet diese Platte in Hülle und Fülle. Da wäre beispielsweise „The Great Acceleration“, das tatsächlich mit beeindruckender Vehemenz beschleunigt, konstant mit Ebbe und Flut ringt, von dröhnender Schwere und giftigen Spitzen gezeichnet. Das eröffnende „The Human Error“ rollt erst etwas schwerfällig an und spielt mit düsterem Understatement. Fünf Minuten Post- und Prog-Collage fordern heraus und schießen ein klein wenig übers Ziel hinaus, die technische Komplexität wirkt wie ein Widerspruch zu weiten Teilen des Albums, wenngleich sie gut umgesetzt wird. Im zweiteiligen „The Great Denial“ geht es ähnlich verstörend los, mit einem ausgedehnten Spoken-Word-Part. Das dramatische Finale entschädigt dafür jedoch großartig.

Ab und an verrennen sich Ølyp ein wenig, was leicht auf die Stimmung drückt. Dem gegenüber stehen zahlreiche geniale, musikalisch über jegliche Zweifel erhabenen Momente, die selbst für Post-Rock- und Post-Metal-Verhältnisse verdammt groß und frisch rüberkommen. So bleibt unterm Strich ’nur‘ ein sehr gutes Album, das trotz Schönheitsfehler unbedingt gehört werden will und muss. „I(m)MORTAL“ kämpft stellenweise noch darum, seine eigene Stimme zu finden. Wenn sich das Duo aus Frankreich jedoch auf seine narrativen, epischen Stärken konzentriert, können nur wenige mit ihnen mithalten. Hier braut sich einiges zusammen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 25.09.2026
Erhältlich über: Klonosphere Records / Season of Mist

Facebook: www.facebook.com/olyp.band

Teile diesen Artikel

Tags: , , , , ,

Category: Magazin, Reviews

Demonic-Nights.at - AKTUELLES