Cancer Bats – Give Me Dirt

(c) Joey Senft
20 Jahre nach ihrem ersten Album bleiben Cancer Bats das perfekte Beispiel für lautstarke Beständigkeit. Die Kanadier bemühen weiterhin einen beißenden, angenehm kaputten Mix aus Punk, Hardcore, Sludge und Metal, sind inzwischen auch auf Platte wieder zu viert unterwegs (Jackson Landry übernahm bereits 2023 den vakanten Posten an der zweiten Gitarre) und setzten einmal mehr auf gemeinsame Jam-Sessions, um gewohnt beherzt zuzulangen. „Give Me Dirt“ wurde von einem Jahr auf Reisen inspiriert und etabliert eine enge Verbindung zur Natur, während das eigene Leben in der Stadt eine Pause erhält.
Tracks wie „Stay Stuck“ schließen nahtlos an das bisherige Schaffen an – roh, derb, ruppig, energisch und von bleierner Schwere durchzogen. Liam Cormier brüllt auf unnachahmliche Weise, rundherum toben Chaos und erstaunlich geradliniges Riffing. Cancer Bats bewegen sich zwischen angepunker Abrissbirne und schwerfälligem Dampfhammer. Das kennt man von ihnen, das klappt prima. Wie auch das sich stellenweise selbst überschlagende „Long Tooth“ mit wiederholt wechsendelm Tempo, fiesem Hardcore-Geballer und sympathischer Unterstützung von Brooklyn Doran. Das gallige „Positive Grid“ eskaliert so brachial wie menschenmöglich.
Neben Doran gibt es eine Reihe weiterer Gäste. Chris Cresswell von Hot Water Music mischt das manische „Bright Eyes Of Gold“ auf, das zwischen wütend aufheulenden Gitarren und kurzen Momenten des Innehaltens pendelt. In „Fools Like You“ taucht Efrem Schulz (Death By Stereo) auf und sorgt in den angethrashten Explosionen für den nötigen Wahnsinn. Und auch der überaus umtriebige Nate Newton (u. a. Converge, Cave In) ließ sich einen kleinen Besuch nicht nehmen: „World Wild Fire Death Race“ zählt zu den Highlights des neuen Albums, breitet nach dem langen Intro seine unheilvollen Schwingen aus und täuscht sogar eine kleine Hook an. Davon gibt es auch in „Ocean Crash“ genug, speziell wenn monströser Groove einsetzt.
Die große musikalische Revolution bleibt aus, dafür konsolidieren sich Cancer Bats auf gewohnt hohem Niveau und räumen einmal mehr ohne Rücksicht auf Verluste ab. „Give Me Dirt“ ist der erhoffte Dampfhammer von einem Album, zerlegt mit furioser Explosivität alles, bemüht sämtliche Stärken und setzt zugleich eine Armada an Gästen sinnvoll und stilvoll ein. Die Kanadier bewegen sich in vertrautem Fahrwasser, roh und zugleich herrlich ausdifferenziert, lassen mit gelegentlichem Innehalten aufhorchen, nur um im nächsten Moment alles niederzumähen. Und das auch nach zwei Jahrzehnten auf frische, mitreißende Weise. Cancer Bats zeigen sich einmal mehr als unbestrittene Meister ihres Fachs.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 07.08.2026
Erhältlich über: Marshall Records (SPV)
Website: www.cancerbats.com
Facebook: www.facebook.com/cancerbats
Slider-Pic (c) Joey Senft


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