Converge – Hum Of Hurt

(c) Nick Fancher
Zwei komplette Alben binnen vier Monaten, das klingt erst einmal nach purem Wahnsinn. Als Converge nach dem herausragenden, metallisch-wahnwitzigen „Love Is Not Enough“ eine weitere Platte für dieses Jahr ankündigten, war die Verwunderung recht groß. Über eine mögliche Fortsetzung wurde spekuliert, einen kleinen Bruder, eine Resteverwertung, vielleicht sogar das seit längerer Zeit geplante Noise-Rock-Album. Letzteres war tatsächlich der Plan, doch sieht das Ergebnis etwas anders aus. „Hum Of Hurt“ ist vielleicht einen Tacken Hardcore-lastiger als der Vorgänger und fügt sich doch nahtlos in den illustren Katalog der US-Veteranen ein.
Der Auftakt zerlegt erst einmal alles: „Slip The Noose“ schafft es gerade über 100 Sekunden, gibt sich noisig und quengelig. Reduziertes Tempo, leicht manische Urgewalt und die urplötzliche Grind-Explosion strapazieren das Nervenkostüm. Danach stürzt „Doom In Bloom“ einen nicht enden wollenden Abhang hinab und nimmt die kompromisslose Düsternis des Seins mit offenen Armen in Empfang. Deutlich ruppiger und wütender geht es hingegen der explosive Titelsong „Hum Of Hurt“ an, der durchaus ein Bindeglied zum Vorgänger sein könnte. Rohe Brutalität und metallischer Wahnwitz treffen auf eine Art Chorus, wo Bannons Schreie die Converge’sche Symphonie der emotionalen Selbstzerstörung perfektioneren.
Donnernde Drums, doomige Entschleunigung und knackige Bassläufe kleiden den Sechsminüter „Dream Debris“ aus, der auf einen Nullpunkt der Finsternis zusteuert. Beschwörende Spoken-Word-Abschnitte und blanker Psychoterror in jeder Saite sind die mehr oder minder willkommenen Zutaten. „I Won’t Let You Go“ entstand in seiner Urform 2020 als Teil des „Cyberpunk 2077“-Soundtracks und konnte nun erstmals als Band im selben Raum eingespielt werden. Die fortschreitende unbequeme Entgleisung dankt es dem Giganten. Schließlich stürzt „Nothing Is Over“ und hört einfach nicht zu fallen auf – geballter Schmerz, gescheiterte Selbstfindung und der erneute Ausraster als kleiner Wurmfortsatz zeigen Converge so emotional aufgeladen wie selten.
Weniger Metal, mehr Hardcore, etwas Noise und großes emotionales Chaos: „Hum Of Hurt“ ist alles andere als einfach geworden, wenig überraschend. Selbst für Converge-Verhältnisse ist das hier ein ordentlicher Brocken, der in seinen 34 Minuten eine überlebensgroße Hürde nach der nächsten errichtet. Anstatt diese zu überspringen, werden sie einfach niedergemäht, mit großem Gusto. Das ist unangenehm, erstaunlich störrisch und immer wieder für Überraschungen gut. Die erwarteten Noise-Passagen sind großartig, brachiale Zwischensprints erinnern an „Jane Doe“-Zeiten, während gemächliche, finstere Experimente an den Rand des Wahnsinns treiben. Ganz anders, aber mindestens so gut: Converge räumen mit dem zweiten herausragenden Platte binnen kürzester Zeit standesgemäß ab.
Wertung: 9/10
Erhältlich ab: 05.06.2026
Erhältlich über: Epitaph Records (Indigo)
Website: www.convergecult.com
Facebook: www.facebook.com/converge
Slider-Pic (c) Nick Fancher


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