Sleeping Pulse – Dreams & Limitations

| 4. Juni 2026 | 0 Comments
Sleeping Pulse

(c) Joana Carrico

Im Herbst 2014 erschien das erste und – bis jetzt – einzige Album von Sleeping Pulse. „Under The Same Sky“ erreichte Kultstatus, wurde neu aufgelegt und fleißig gestreamt. Das gemeinsame Projekt von Mick Moss (Antimatter) und Luis Fazendeiro (Painted Black), das progressive bis kunstvolle Gitarrenmusik an der imaginären Rock-Metal-Grenze mit portugiesischem Fado verband, lag aufgrund diverser anderer Projekte lange Zeit brach. „Dreams & Limitations“ ist das mehr als eindrucksvolle Comeback und zugleich eine Art nahtlose Fortsetzung mit neuem Elan.

Trauer, Kummer und Bedauern haben bei Sleeping Pulse keinen Platz; viel mehr akzeptiert man das Unvermeidbare und lebt das Leben, bis es nicht mehr geht. Entsprechende Gefühle begleiteten den Einstand und türmten sich in jüngerer Vergangenheit erneut auf, bis es ein kreatives Ventil dafür brauchte. Alleine der Titel „Two Wreaths“ eröffnet Interpretationsmöglichkeiten ohne Ende. Aus den sanften Klaviertönen entwickelt sich ein getragener, gemächlicher, stellenweise semi-balladesker Track mit mächtiger Intensität, beeindruckender Dramaturgie und einem Mick Moss in Bestform. Jede einzelne Silbe geht unter die Haut.

Ein ganz anderes Highlight ist „Extrasolar“, der neunminütige Gigant. Aus dem gemächlichen Post-Rock-Aufbau, der das Arrangement behutsam vorbereitet und schrittweise öffnet, entspringt ein wahrer emotionaler Malstrom, der mit seinen kleinen Schleifen und dem überlebensgroßen Quasi-Refrain kontinuierliches Wachstum vermittelt. Wieder und wieder findet das Duo zurück zu bittersüßer Schwere. Im Vergleich dazu fällt „Rise“ forsch und heavy aus, legt ab der ersten Sekunde mit beherzten Gitarren los und nimmt sich erst dann zurück. Ein vorwitziges, folkiges bis spirituelles Flötensolo lockert auf und zieht letztlich nur tiefer in den Sumpf fatalistischer Gefühle.

Schwere Kost trifft erstaunliche Leichtigkeit: Nahezu permanente Widersprüchlichkeit spannt sich wie ein blutroter Faden um diesen Zweitling, dessen Eigentümlichkeit binnen Sekunden in den schwer greifbaren Bann zieht. Sleeping Pulse stehen für packende Atmosphäre und verbinden musikalische Welten einmal mehr zu Magie. Der Umgang mit Tod und Trauer ist gewissermaßen Teil der portugiesischen (Musik-)Kultur und passt damit perfekt zu Moss‘ Schaffen. „Dreams & Limitations“ sieht das Ende vor sich, reitet diesem sehenden Auges entgegen und kostet die verbleibende Zeit mit Gusto aus – großes Kino zweier Meister.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 05.06.2026
Erhältlich über: Prophecy Productions

Website: www.sleepingpulse.com
Facebook: www.facebook.com/SleepingPulse

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Category: Magazin, Reviews

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