Svjetlost – The Forever Silent

(c) Svjetlost
Erst vor einem halben Jahr packten Gavran mit „The One Who Propels“ eines der unbestrittenen Highlights des bisherigen Kalenderjahres aus. Die wütende, rasende und kathartische Mischung aus Doom, Sludge und Post Metal hallt immer noch nach. Gitarrist und Sänger Jamie Kobić konzentriert sich zwischenzeitlich auf sein eigenes Ding. Mit Svjetlost geht er es einen Hauch ruhiger an, tauscht die brachialsten Parts gegen Stoner-Riffs und widmet sich der Geschichte und Folklore Bosnien und Herzegowinas. „The Forever Silent“ befasst sich mit den eigenen Wurzeln und der wechselhaften, lebendigen und doch gelegentlich finsteren Geschichte der Heimat.
Vier überlange Songs zwischen 13 und 16 Minuten Spielzeit zeichnen schwerfällige und zugleich immersive Stimmungsbilder. Wie „Above The Mountains“, der kauzige Opener, der sich möglichst schwerfällig erhebt und meditativen Gesang neben sägende Gitarren stellt. Reduzierte, folkloristisch angehauchte Zwischenspiele überraschen ebenso wie der schleppende Marsch durch offenes Gelände, als wären frühe Tombstones in der Wüste gestrandet. Das anschließende „Lands Of Suffering“ befasst sich mit den Wunden und Narben des Bosnienkriegs, zieht kurzzeitig sogar das Tempo ein wenig an und bricht letztlich wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Der schleppende Wiederaufbau schafft hingegen einen Funken Hoffnung – welch grandiose Parallele zwischen Musik und Geschichte.
Die gewaltige Schönheit und katastrophale Geschichte Mostars wird in „The Golden Lilies“ thematisiert. So hoffnungsvolle, gülden schimmernde Melodien hört man sonst selten, bleiben natürlich die Ausnahme. Während der Track immer härter und ruppiger ausfällt, hält eine feine Shoegaze-Note Einzug und schafft gemeinsam mit den beschwörenden Vocals eine wunderbar unwirkliche, melancholisch angehauchte Atmosphäre. Davon ist im abschließenden „Between The Peaks“ nicht zu spüren. Die ersten Minuten erinnern an Gavran, packen spitze Schreie und schmerzvolle Qualen aus. Zwar findet diese Abhandlung einer Familiengeschichte zwischen zwei Weltkriegen im Schlussdrittel zumindest den einen oder anderen versöhnlicheren Ton, doch bleibt die Grundstimmung eine unbequeme.
Ob Musik an sich, Spielzeit oder Inhalt: Svjetlost legen es auf komplette Überforderung sowie weitestgehend entschleunigte Reizüberflutung aus. Klar, einfache Kost sieht anders aus, doch bringt Kobić seine Geschichte und die Geschichte seiner Ahnen auf hervorragende Weise rüber. Insgesamt ein Tacken weniger Härte, mehr Melodik und sägende Riffs bekommen „The Forever Silent“ gut, die fast obligatorischen Eruptionen fallen dafür doppelt eindrucksvoll aus. Monolithische Schwere, emotionale Anstrengungen und gekonntes Spiel mit präzise eingesetzter Folklore schaffen großes Kino von der ersten bis zur letzten Minute. Man muss sich bloß auf dieses überlange, herausfordernde Bollwerk einlassen.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 24.07.2026
Erhältlich über: Shadow of Sorrow Records
Bandcamp: svjetlost.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/svjetlost_doom


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