Boundaries – Yearning: The unbeautiful after

| 17. Juli 2026 | 0 Comments
Boundaries

(c) Sarah Holick

Seit ihrer ersten EP vor gut zehn Jahren scheint es die Mission von Boundaries zu sein, alles mit Anlauf zu zerlegen. Von den Beatdown-Wurzeln hat sich das Quintett aus Hartford, Connecticut zwar weitestgehend entfernt, der Metalcore-Ansatz entwickelte sich auf den vier bisherigen Alben allerdings ähnlich brachial und kompromisslos. Mit dem Wechsel zu Sumerian Records wird eine neue Dringlichkeit angekündigt. Für Frontmann Matthew McDougal verlor harte Mucke im Laufe der Zeit ihren Biss, was eigentlich ein absolutes Unding ist. „Yearning: The unbeautiful after“ kämpft wütend und lautstark dagegen an.

Dass weniger auch mehr sein kann, hat wohl noch niemand der US-Band gesagt: 14 Songs, 47 Minuten Spielzeit und pure Intensität machen sich breit, angetrieben von zentralen Fragen nach der Bedeutung von Zeit, was einem selbst wirklich wichtig ist, und was man mit der vorhandenen Zeit tatsächlich anfängt. Zwischen Sehnsucht, Hoffnung und manchmal bitterer Erkenntnis breitet sich dieses Bollwerk aus. Der abschließende Titelsong findet beispielsweise ein gelungenes Mittelmaß an roher Härte, die ein wenig an die Metalcore-Ursuppe sowie an etwas vertrackte bis Djent-proggige Heavyness erinnert (Boundaries waren geraume Zeit beim Periphery-Label 3DOT Recordings unter Vertrag), aber auch Platz für mächtigen Klargesang und packende Melodien lässt.

Stete Urgewalt höhlt vielleicht nicht den Stein, macht aber Laune. „Torn wide open“ fällt so fies und kaputt wie menschenmöglich aus, wird in seinem Abriss von Make Them Suffer unterstützt und punktet mit technischem Anspruch. Der melancholische Wurmfortsatz mit Cyber-Soundscapes und sanften Vocals schafft ein wenig Verwirrspiel. Die unverblümte Direktheit eines „Skies cast amber black“ hat ebenfalls ihren Reiz, gewisse Zao-Vergleiche drängen sich auf. Hingegen pendelt „The leper’s bell“ zwischen Blast-Attacken, zermürbenden Breakdowns und der wohl besten Gesangsmelodie des gesamten Albums. Mehr Gegensätzlichkeit geht eigentlich nicht.

Die brachial-brutale Seite des Metalcore genießt aktuell ein kleines Revival, das weiß man nicht erst seit August Burns Red. Boundaries bemühen sich um exzessive Überspitzung und packen eine mächtige Portion Tech-Abriss drauf. Hoher Anspruch und rohe, stets klar definierte Brutalität begleiten das vierte Album des US-Quintetts, das dennoch immer wieder zu diesen kurzen Momenten ultimativer Eingänglichkeit findet, hymnische Melodien anstimmt und im Anschluss alles in Schutt und Asche legt. „Yearning: The unbeautiful after“ erfüllt seine abgefuckte Mission auf allen Ebenen und ist das bislang beste Boundaries-Album – ein giftiges Bollwerk, an dem man sich kaum satt hören kann.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 17.07.2026
Erhältlich über: Sumerian Records

Website: boundariesct.com
Facebook: www.facebook.com/BoundariesCT

Slider-Pic (c) Perrier Leigh

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Category: Magazin, Reviews

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