Exodus – Goliath

| 14. Juli 2026 | 0 Comments
Exodus

(c) Jim Louvau

Bloß keine weiteren sieben Jahre warten, das gaben Exodus als Parole nach „Persona Non Grata“ aus. Tatsächlich ging es für die Bay-Area-Urgesteine relativ schnell zurück ins Studio, bloß mit einer gravierenden personellen Veränderung: Bereits zum dritten Mal ist Steve „Zetro“ Souza raus, wurde dieses Mal aus der Band komplimentiert. Dafür kehrt seit zeitweiliger Ersatz Rob Dukes zurück und hat in den 16 Jahren seit „Exhibit B: The Human Condition“ hörbar an seinen Skills gearbeitet. „Goliath“ wird als kollaborativstes Album der Thrash-Mitbegründer beschrieben und hat manch eine Überraschung zu bieten.

Dazu zählt ohne Frage „The Changing Me“ mit einem Gastauftritt von Peter Tägtgren (Hypocrisy, Pain), dessen Melodic-Death-Einflüsse dem Geschehen ihren Stempel aufdrücken. Derber Thrash trifft auf einen tödlichen, hymnischen Chorus, der Tägtgren und Dukes zusammenbringt – schroff, kurios und erstaunlich eingängig. Im Titelsong „Goliath“ bemühen sich Exodus hingegen um nahezu doomige Entschleunigung, zäh und bedrohlich. Violinistin Katie Jacoby verleiht dem Track zusätzliches Drama, das schimmernde Riff im schwerfälligen Hauptteil holt eine Prise Glam hinzu. Bereits hier ist Dukes der Star, dessen Vocals deutlich kraftvoller und variabler ausfallen, wie eine imaginäre Brücke zwischen allen bisherigen Frontleuten.

Rundherum servieren Exodus exakt das, was man sich von ihnen erhofft: Thrash, Thrash und nochmals Thrash. „Hostis Humani Generis“ täuscht ein wenig „Deathamphetamine“ an, schneller und härter werdend, bevor sich Gary Holt und Lee Altus die Soli zuschanzen. Der kapitale Abriss von „Beyond The Event Horizon“ ist mindestens so stark, auch in seinem vertrackt groovenden Part, der vor allem die Rhythmusabteilung um Tom Hunting und Jack Gibson in den verdienten Fokus rückt. Selbst ein abgefucktes Epos wie das achtminütige „Summon The God Unknown“ geht auf, wogt stetig hin und her, klingt stellenweise wie ein kleines Bekenntnis zur NWOBHM-Vergangenheit. Und wenn es zwischendurch doch wütend und brutal sein soll, dann steht „3111“ bereits in den Startlöchern.

Im Grunde fehlt diesem – je nach Zählweise – zwölften oder dreizehnten Studioalbum nur der eine oder andere Übersong, der ein hochklassiges Album in legendäre Sphären hieven würde. Freilich ist das Monieren auf hohem Niveau, denn exakt das halten Exodus von der ersten bis zur letzten Sekunde. „Goliath“ ist wieder einmal verdammt lang ausgefallen, komplex und doch heavy wie Sau. Die kleinen, feinen Experimente überraschen und machen Laune, das dynamisch gestaltete Tempo schmerzt angenehm und die Riffs sind so mächtig wie eh und je. Alles andere als heimlicher Star ist aber Rob Dukes, der stimmlich um einiges zugelegt hat und zum Chef im Ring mutiert. Exodus pendeln sich auf hohem Niveau ein und untermauern einmal mehr, warum sie zu den wichtigsten Thrash-Bands aller Zeiten zählen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 20.03.2026
Erhältlich über: Napalm Records (SPV)

Website: exodusattack.com
Facebook: www.facebook.com/exodusattack

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Category: Magazin, Reviews

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