Wailin Storms – The Arsonist

| 10. Juli 2026 | 0 Comments
Wailin Storms

(c) Kent Corley

Seit mehr als einem Jahrzehnt kann man Wailin Storms förmlich zusehen, wie sie als Band immer größer werden. Ihr bluesiger, schroffer Gothic Rock mit düsterer Rock- und Metal-Schlagseite sowie einer kräftigen Portion Post Punk wurde im Verlauf ihrer bisherigen vier Studioalben wüster, verwegener und zugleich eindringlicher. Season of Mist hat nun zugegriffen und bietet dem Mix aus Southern Gothic und etwas Horrorshow die passende Bühne. „The Arsonist“ vereint sämtliche Qualitäten auf eine mörderische Dreiviertelstunde.

Einen der besten neuen Tracks setzt es gleich zu Beginn: „Dead End“ zittert sich förmlich in das Album hinein, steckt die Gitarren in eine überdimensionale Echokammer und macht einfach. Der Kontrast zwischen den flirrenden Saiten und der druckvollen, wuchtigen Rhythmusabteilung fährt durch Mark und Bein, während Justin Storms‘ Gesang bedrohlich und verklärt über den Dingen kreist. Eine zwischenzeitliche lautstarke Explosion, der komplette instrumentale Zusammenbruch und das wütende, dampfende Finale machen Laune. Ähnlich wuchtig, wenngleich deutlich direkter: „Patient Night“ klingt im besten Sinne nach Grave Pleasures. Süffiger Post Punk, tödlicher Rock und eine überraschend poppige Hook am Höhepunkt machen Laune.

Damit kratzt man bestenfalls an der Oberfläche, denn Wailin Storms haben noch so viel mehr zu bieten. Der Titelsong „The Arsonist“ bewegt sich in der Tradition typischer Mörderballaden. Blues und Folk bereiten eine giftige, kathartische zweite Hälfte vor, die mit einer Slide-Gitarre und einer noisigen Prise Doom vertraute Death-Punk-Klänge aufbricht. „It’s All Dark Now Where Your Eyes Used To Be“ zieht den balladesken Weg komplett durch, gibt sich sechseinhalb Minuten lang bittersüß und minimalistisch. Das wäre eventuell einen Tacken kompakter gegangen, macht aber ebenso Laune wie das zerrissene „Saved“. Mit dem schwerfälligen, niedergeschlagenen Marsch ins Chaos und bluesiger Heavyness geht es wieder und wieder an die Substanz.

Wailin Storms zeichnet aus, dass sie auf keinen Fall auf Nummer Sicher gehen wollen. Natürlich würde ein überwiegend in Post Punk und Death Rock beheimatetes Album komplett steilgehen, doch ist es letztlich die sperrige, kuriose und unorthodoxe Mischung, die ihre Musik so spannend macht. Mörderische Balladen, noisige Wutausbrüche, metallische Gitarrenwände und eine gesunde Portion Folk und Blues mischen auch auf „The Arsonist“ mit, leben den bestens ausgeprägten Hang zu giftigem Storytelling aus und überzeugen durch ein Plus an Atmosphäre. Auch der Einstand für Season of Mist ist Kopfkino in Reinkultur, mal eingängig, mal wütend, mal angenehm verstörend. Wailin Storms zeigen sich weiterhin bestens – oder schlechtestens – aufgelegt.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 10.07.2026
Erhältlich über: Season of Mist (SPV)

Facebook: www.facebook.com/wailinstorms

Slider-Pic (c) Kent Corley

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Category: Magazin, Reviews

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