Solace – Fading Failing Ruin

| 1. Juli 2026 | 0 Comments
Solace

(c) AJ Kinney

Pünktlich zum 30. Geburtstag setzt es das fünfte Studioalbum: Übermäßig hektisch gehen es Solace gewiss nicht an. Das Quintett aus New Jersey entstand 1996 aus den Ruinen der kurz zuvor aufgelösten Godspeed und konzentrierte sich fortan auf eine engmaschige Verbindung von Metal- und Hardcore-Klängen im weit gesteckten Stoner-Doom-Umfeld. Ihre erste Platte seit nunmehr sechseinhalb Jahren befasst sich mit Endzeitstimmung, apokalyptischen und infernalen Themen, die perfekt zum Hier und Jetzt passen. „Fading Falling Ruin“ setzt den bestens bekannten Weg fort und findet seinen eigenen Weg in einem Meer an angenehm vertrauten Referenzen.

Einfach ist an den zumeist überlangen Tracks weiterhin herzlich wenig. Da wäre beispielsweise der Vorbote „Beyond Below“, der sich gemächlich und drückend erhebt, Justin Goins‘ Gesang neben eines der besten Riffs der gesamten Platte stellt. Was anfangs bei aller Schwerfälligkeit herrlich einlullend wirkt, gewinnt zwischendurch an Härte, gestaltet sich erstaunlich aggressiv und taumelt letztlich in doomige Untiefe, die wohlige Schmerzen bereiten. Komplette Entschleunigung und ausdauernde Soloarbeit machen Laune. Übrigens auch etwas kürzere Episoden wie „Spiral Will“, deren unbequeme Gitarren nebst rockigem Drive durch Mark und Bein fahren und von Desert-Entfremdung begleitet werden.

Im XXL-Bereich bauen sich zusätzliche Herausforderungen auf. Da wäre beispielsweise der zehnminütige Rausschmeißer „Ridden“, der mit überfordernden Schleifen und erstaunlich trockener Hook auftrumpft, binnen Sekunden ins Ohr geht und sich dort einnistet. Die feine Grunge-Note wirkt wie ein kleiner Querverweis auf die Anfänge der Band. Deutlich kniffliger verhält es sich mit „Wrath’s Object (The Big Fall)“. Knapp 15 Minuten Spielzeit, davon weit über sechs Minuten schleppender Aufbau bis zum Überriff – das schießt schon etwas übers Ziel hinaus. Danach baut sich dafür einer der besten neuen Solace-Tracks auf. Etwas Blues hier, dickes proto-metallisches Riff da, fiese Soloarbeit und überlebensgroße Gesangsmelodie obendrauf – das kann man so lassen.

Ob es hier wirklich 67 Minuten Spielzeit – lange Albumpause hin oder her – gebraucht hat, sei dahingestellt. Fakt ist, dass „Fading Falling Ruin“ natürlich angesichts seiner schieren Menge an neuer Musik erst einmal erschlägt. Kurz sollen sich andere fassen, davon halten Solace herzlich wenig. So dauert es ab und an auch ein wenig, bis man zu den Feinheiten dieser Platte vorstößt. Dann aber entsteht pure Magie, was ebenso wenig überraschen sollte. Das US-Quintett spielt drei Jahrzehnte an Klasse und Riffpower aus, fordert mit komplexen Arrangements und ganz viel Bauchgefühl heraus. Sympathische Bosheit und wütendes Shredden werden immer wieder von feinen, pointierten Hooks abgelöst. Das Ergebnis strengt an, macht richtig viel Laune und bleibt hängen – ein mehr als würdiges Jubiläumsalbum einer echten Institution.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 03.07.2026
Erhältlich über: Magnetic Eye Records

Facebook: www.facebook.com/SolaceBand

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Category: Magazin, Reviews

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