Zao – The Well-Intentioned Virus

| 28. Dezember 2016 | 0 Comments
Zao

(c) Allix Johnson

Auf den Beinah-Zusammenbruch folgt die große Renaissance. Zao waren im Nachhinein mit „Awake?“ alles andere als zufrieden, sowohl in kreativer als auch in menschlicher Hinsicht. Sieben Jahre später sind die Metalcore-Urväter wieder da, und das durchaus furios. Mit einem kreativen wie menschlichen Facelifting wagt sich das einst im Christian-Hardcore-Umfeld gegründete Quintett an einen ebenso wilden wie aufwühlenden Rundumschlag. „The Well-Intentioned Virus“, das auf dem neuen, bandeigenen Label Observed/Observer erscheint, wird zum übermenschlichen Siegeszug.

Einige der neuen Songs tragen eine stark persönliche Färbung, so auch „Apocalypse“. Hier verarbeitet Scott Mellinger (Gitarre, Clear Vocals) den Tod seines Vaters und lässt diesen in, wie der Songtitel vermuten lässt, apokalyptische Szenarien einfließen. Das Anfangs- und Schlussdrittel gehört voll und ganz Mellinger mit hymnischen, durchaus elegischen Momenten, die Daniel Weyandts patentiertes, entstelltes Gekeife geschickt einrahmen. Im Auge des Sturms wird es dieses Mal unheimlich laut und bissig – die Antithese zum gängigen Westentaschen-Epos-Aufbau und somit willkommene Abwechslung.

Wer den vertrackten, aggressiven Zao-Sound bevorzugt, wird natürlich auch auf dieser Platte fündig. Der Quasi-Titelsong „A Well-Intentioned Virus“, das wuchtige „The Sun Orbits Around Flat Earth Witch Trials“ und das kompakte „Jinba Ittai“ rauben sämtliche Sinne. Am besten sind die US-Amerikaner allerdings dann, wenn aus den ärgsten musikalischen Widrigkeiten plötzlich so etwas wie Sonnenlicht bricht und ein „Observer / Observed“ leuchten lässt oder den intensiven Opener „The Weeping Vessel“ durch melodische Zäsuren bremst. Im abschließenden „I Leave You In Peace“ steigern sich Zao schließlich in einen überlangen Giganten hinein, der plötzlich in sich zusammensackt und zig Fragen unbeantwortet lässt.

Es dauert ein klein wenig, bis sich die Magie von „The Well-Intentioned Virus“ vollends erschließt, doch hinter diesem gemächlichen Aufgalopp liegt Methode. Schicht für Schicht entblättert sich der Monolith und erinnert in seiner Genialität an „The Fear Is What Keeps Us Here“ und „The Funeral Of God“. Zao sind endlich wieder da, und das in absoluter Bestform. Auch 23 Jahre nach Gründung ist an den Metalcore-Veteranen, die so gar nichts mit der gängigen, verwässerten Darstellung des Genres zu tun haben wollen, nicht vorbeizukommen.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 09.12.2016
Erhältlich über: Observed/Observer Recordings

Website: www.zaoonline.net
Facebook: www.facebook.com/ZAO.Official

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Category: Magazin, Reviews

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