Genghis Tron – Signal Fire

(c) Aaron Jones
Eine Rückkehr aus dem gefühlten Nirgendwo vor mehr als fünf Jahren, mit neuem Sänger und erstmals eigenem Drummer, dazu der Fokus auf mehr Prog, Elektronik und Atmosphäre: „Dream Weapon“ war in jeder Hinsicht eine kleine Überraschung. Genghis Tron hatten sich nach viel zu langer Abwesenheit auf unerwartete und doch hochspannende Weise zurückgemeldet. Widmete man sich damals noch verschrobenen Fantasiewelten, so ist das US-Quintett – mittlerweile um Bassist Kenny Szymanski ergänzt – aktuell im Hier und Jetzt unterwegs. „Signal Fire“ feiert zudem ein Comeback der früheren chaotischen Ausritte.
Der wunderbar manische Opener „I Am All“ beginnt noch vergleichsweise ruhig. „I’m on a tear, I’m on a tear“, erklärt Tony Wolski wiederholt, während vertraute Synthetik von pulsierenden Drums angetrieben wird. Die Screams melden sich ebenfalls zurück und verleihen dem ansonsten zunächst eingängigen Track eine wütende Kante. Anstatt komplett am Rad zu drehen, besinnen sich Genghis Tron zunächst auf Wiederholungen, bemühen einmal mehr alte Favoriten wie New Order, bevor das Ding nach der Vier-Minuten-Marke in aller Gemächlichkeit explodiert. Stakkato-Attacken, Progcore, schmerzende Screams und das nach wie vor eingängige Leitmotiv finden zusammen.
„Tomorrow Mirage“ ist mit seinen sieben Minuten wohl das Herzstück dieses vierten Studioalbums und überfordert erst einmal. Statt falscher Zurückhaltung explodiert das Quintett regelrecht aus den Boxen und setzt auf lautstarke Reizüberflutung. Der Cybercore-Nackenschlag bleibt vorerst aus. Futuristische HipHop-Elemente erwischen am falschen Fß, nur um wenig später von schäumender Wut und Grind-Geprügel abgelöst zu werden. Mehrere kleinere und größere Häutungen folgen, inklusive meditativer Synthwave-Flächen und einer fast schon versöhnlichen, minimalistischen zweiten Hälfte. Genghis Tron bleiben aber auch in aller gebotener Kürze bärenstark, siehe und höre das angestochene „Born Prey“, das nahezu perfekt zwischen Neo-Prog-Pop und Cybergrind wechselt.
Ist „Signal Fire“ nun die Antwort, Antithese oder essenzielle Begleitung für „Dream Weapon“? Darüber lässt sich gewiss wunderbar streiten. Fakt ist, dass Genghis Tron nach einem im wahrsten Sinne des Wortes verträumten Comeback-Album wieder deutlich beherzter zulangen. Das gelegte, wabernde Fundament wurde freilich beibehalten, nun aber in deutlich mehr Chaos, Aggression und Unvorhersehbarkeit eingebettet. Tatsächlich spannt das US-Quintett den Bogen zu seinen ersten Alben, schreibt noch bessere Hooks und Melodien, rastet aber zugleich herrlich kaputt und widerwärtig aus. Das hier zieht den letzten Nerv und macht dabei unfassbar viel Laune.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 12.06.2026
Erhältlich über: Relapse Records (SPV)
Facebook: www.facebook.com/GenghisTron


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