Sunn O))) & Ulver – Terrestrials

| 7. März 2014 | 0 Comments

Ulver

Nach ihrem 200. Konzert auf dem norwegischen Øya Festival 2008 trafen sich Sunn O))) mit Ulver in deren Studios für eine lange, ausgedehnte Session, die Basis für ein gemeinsames Album werden sollte. Als Erdenbürger, als „Terrestrials“ experimentieren diese beiden Vorzeigebands auf der Ebene komplexer, schwer greifbarer Musik mit Klängen, die wie Magma unter der Erdkruste fließen, kosmische und zeremonielle Assozitationen heraufbeschwören sollen. Anders gesagt: Drone und Ambient für Fortgeschrittene.

Drei Monolithen beschreiben das Leben auf irdischen Sphären mit kosmischen Eindrücken, im Zeitraffer mit kleinen, kaum erkennbaren Rissen. „Let There Be Light“ lässt die sprichwörtliche Sonne aufgehen. Stephen O’Malleys Gitarre tritt behäbig, auf Raten hervor, unterstützt von Stig Espen Hundsnes‘ Trompete, die das Feuer des Himmelskörpers, die Glorie dessen Aufgehens unterstreicht. Mit dem Einsetzen von Percussion und Schlagzeug gegen Ende ist sie schließlich am Himmelszelt angekommen und wirkt unbarmherzig, erbarmungslos. In „Western Horn“ sinkt sie wieder, eingeleitet durch sägende Töne, die sich mit dem Erlöschen der gleißenden Hitze assoziieren lassen. Dezente Streicheranteile treffen auf den obligatorischen Island-Geigenbogen, der über eine angeschlagene Gitarre streicht. Die Luft zittert, kühle Nachtluft legt sich über das Land.

In „Eternal Return“ erreicht das Possenspiel um das irdische Dasein schließlich seinen Höhenpunkt. Violine und Viola treten in den Vordergrund, werden von fragilen Synthis und bebenden, schüchternen Gitarren begleitet. Nach sieben Minuten bricht dieses Wandern durch Berge und Täler, über Wiesen und Felder, durch trockene Wüsten und Kargland schließlich in sich zusammen. Eine schlichte Synthi-Melodie leitet den Auftritt von Ulver-Frontmann Kristoffer Rygg ein, dessen Vocals sich mit biblischen Welten, mit griechischer und ägyptischer Antike befassen. Was Anfang wie Balsam auf geschundene Ambient-Noise-Seelen wirkt, zuckt nur ein wenig und sackt schließlich wieder leblos zusammen. The rest, as they say, is noise.

Den Noise-Anteil muss man wohl in Relation sehen, für Sunn O)))- und Ulver-Verhältnisse fällt dieser auf „Terrestrials“ herzlich gering, geradezu übersichtlich aus. Dafür muss man ein anderes Klischee bemühen: Dieses Album braucht tatsächlich Zeit, und das nicht zu knapp. Was anfangs wie eine einzige, unteilbare, undefinierte Masse wirkt, entfaltet sein ganzes Wirken erst nach mehreren Durchläufen. Erst dann entdeckt man die Feinheiten der sägenden Gitarren, der feinsinnigen Streicher, der elegischen Trompete und der wuchtigen Percussion. Ryggs himmlischer, auflockernder Gesang hingegen brennt sich ein und bleibt hängen auf unbestimmte Zeit. Wie nicht anders zu erwarten war, ist diese Kollaboration ein kleiner Meilenstein für Drone- und Dark Ambient-Hörer.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 14.03.2014 (CD) / digital bereits erhältlich
Erhätlich über: Southern Lord (Soulfood Music)

Website Sunn O))): sunn.southernlord.com
Website Ulver: www.jester-records.com/ulver

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Category: Magazin, Reviews

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