Meshuggah – The Violent Sleep Of Reason

| 21. Dezember 2016 | 0 Comments
Meshuggah

(c) Olle Carlsson

Waren Meshuggah auf „Koloss“ zu steril geworden? Auf der steten Suche nach neuen musikalischen Extremen ertranken die schwedischen Prog- und Djent-Pioniere zuletzt in digitaler Nachbearbeitung und beinahe klinischer Grundstimmung. Technik raus, Verstärker rein: Statt maschinellem Sound wagt sich das Quintett nun an einen Old-School-Ansatz, der natürlich nach wie vor nach Meshuggah klingt. „The Violent Sleep Of Reason“ zeigt sich anspruchsvoll und doch organisch.

Dass dieser rückwärtsgewandte Ansatz keine Abkehr vom technischen Wahnwitz der Schweden bedeuten muss, demonstriert bereits die eröffnende Video-Auskopplung „Clockworks“. Dichtes Riffing, manische Gitarren, vertrackte Rhythmen und Jens Kidmans pointierte Heiserkeit ziehen von der ersten Sekunde an tief in einen manischen Sumpf hinab. Psychotischer Mittelteil, höllenschnelles Finale, dazwischen präzise Variationen des Hauptriffs und noch mehr Psychoterror – dieses Monstrum geht an die Substanz.

Was „The Violent Sleep Of Reason“ so unterhaltsam macht, ist seine Vielfalt. Ein „Stifled“ wirkt anfangs recht unscheinbar, nimmt aber konstant neue Spuren hinzu und intensiviert seine Spannung. Kleine Gitarrensoli, mörderischer Groove und die gewaltige Öffnung zum Finale hin lassen staunend zurück. Im Gegensatz dazu widmet sich der Quasi-Titeltrack jenen Klängen und Salven, die heutzutage gemeinhin als Djent bezeichnet werden. Schnell zeigt sich: Meshuggah dominieren auch hier. Schließlich wird es in „Our Rage Won’t Die“ sogar ein wenig thrashig, bevor die nächste Groove-Walze einsetzt.

Auch wenn die ganz großen Überflieger wie „Bleed“ fehlen und sich rundherum der eine oder andere Genre-Standard eingeschlichen hat, so zeigen sich Meshuggah auf „The Violent Sleep Of Reason“ dennoch von ihrer schönsten, von ihrer unterhaltsamsten Seite. Der deutlich wärmere, dichtere Sound bekommt den Schweden, die kommendes Jahr ihr 30jähriges Jubiläum feiern werden, gut. So langsam muss man sich auch fragen, wie lange es Meshuggah noch geben wird, denn mit Ausnahme von Bassist Dick Lövgren sind die Herren mittlerweile zwischen Mitte Vierzig und Anfang Fünfzig. Dass man in diesem durchaus gesetzten Alter nach wie vor so revultionär extrem sein, ringt doppelt und dreifach Respekt ab.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 07.10.2016
Erhältlich über: Nuclear Blast (Warner Music)

Website: www.meshuggah.net
Facebook: www.facebook.com/meshuggah

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Category: Magazin, Reviews

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