Lair Of The Minotaur – I HAIL I

| 29. April 2026 | 0 Comments
Lair Of The Minotaur

(c) Damien Denton

In den ersten sieben Jahren ihres Bestehens machten Lair Of The Minotaur kompromisslosen, gerne zähen Krach der herausfordernden Sorte. 2003 in Chicago gegründet, kamen sie nur einen Monat nach ihrem ersten Gig bei Southern Lord unter, danach erschienen vier Alben, drei EPs und diverse Singles, begleitet von Konzerten in Nordamerika und Europa. 16 Jahre nach „Evil Power“ geht es nun doch weiter. Gitarrist / Frontmann Steven Rathbone begrüßt Langzeit-Drummer Chris Wozniak im Line-up, den Bass übernimmt Szene-Prominenz in Form von Sanford Parker (u. a. Twilight, Minsk). „I HAIL I“ erscheint erneut über das bandeigene Label und bewegt sich in vertrautem Fahrwasser zwischen Sludge, Thrash, Death, Doom und Hardcore.

Speziell zu Beginn regiert die Wucht, eine Mischung aus Thrash, Hardcore und sumpfigem Biss. „Emperor Of Dis“ rattert in unter zwei Minuten durch, nähert sich Grind- und Crust-Gefilden an, eskaliert am Stand und führt direkt in den unwesentlich längeren Titelsong, der Urgewalt durch Entschleunigung ausdrückt. Ranzige Gitarren, Sludge-Schwere und späte Beschleunigung finden zusammen, der Himmel verfinstert sich. In „Enthroned In Violence“ dominiert ein hässliches, abstoßendes Riff, nach allen Regeln der Kunst entstellt und so erdrückend wie menschenmöglich gestaltet. In Verbindung mit den Vocals erinnert das ein wenig an die ruhigeren, fast groovenden Experimente von Napalm Death.

Häutungen haben auf diesem Album so und so Methode, wie im wütenden „Family Tree“. Dass der Track im Original von der exzellenten Southern-Gothic-Songwriterin Ethel Cain stammt, muss dazugesagt werden. Lair Of The Minotaur drücken dem Folker ihren eigenen Stempel auf, fahren gefühlt zwei Geschwindigkeitsstufen gleichzeitig und vernichten damit ähnlich wie in „Saturnus Reign“. Bleierne und zugleich explosive Bedrohlichkeit macht Laune. Im abschließenden „Tartarus Apocalypse“ herrscht hingegen Entschleunigung. Doom und Sludge nehmen mehr als sieben Minuten lang das Heft fest in die Hand und strahlen unheilvolle Bedrohung aus.

Nach zehn Songs in einer halben Stunde ist schon wieder Schluss, was gewiss kein Fehler ist. Denn „I HAIL I“ schüttelt durch, torpediert das Seelenleben mit wachsender Begeisterung, wiegt im Schlussakkord beinahe in den Schlaf und bereitet doch die nächste Attacke vor. Ein im besten Sinne widerwärtiges Comeback-Album ist das exzellente Ergebnis. Lair Of The Minotaur toben sich aus, packen verkrustete Dreckschichten auf ihren Sound und kotzen sich richtig schön derb aus. Auch nach langer Pause bleibt das US-Trio in bestechender Form und bereitet schöne Schmerzen, passend zur Welt um sie herum.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 01.05.2026
Erhältlich über: The Grind-House Records

Website: lairoftheminotaur.bandcamp.com

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Category: Magazin, Reviews

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