At The Gates – The Ghost Of A Future Dead

(c) Ester Segarra
Am 16. September 2025 verstarb Tomas Lindberg an den Folgen seiner Krebserkrankung. Er wurde nur 52 Jahre alt. Bereits im Jänner 2024, einen Tag vor einer wichtigen Operation, hatte er seine Vocal-Parts für ein neues Album von At The Gates fertiggestellt, die komplette Platte war Mitte 2024 fix und fertig abgemischt und wurde in der Hoffnung auf gesundheitliche Besserung zurückgehalten. Ob und wie es für die Melodic-Death-Urväter weitergeht, ist noch offen. Mit „The Ghost Of A Future Dead“ erscheint ein Werk, auf dass die Göteborger Legenden mehr als stolz sein können.
Durch die Rückkehr von Anders Björler war das Traum-Line-up von „Slaughter Of The Soul“ wieder zusammen, nach dem vergleichsweise experimentellen und düsteren „The Nightmare Of Being“ wollte man bewusst wieder in diese etwas klassischere Richtung gehen. Wie das eröffnende „The Fever Mask“ aus den Boxen schießt, ein wenig Blei anrührt und gequälte Melodien nebst kompromisslose Härte steht, macht Laune. Lindberg schreit sich die Seele aus dem Leib und macht seine Sache verdammt gut. Dass eine seiner besten Vocal-Performances ausgerechnet in „The Unfathomable“ (dt. „Das Unbegreifliche“) zu hören ist, jagt kalte Schauer über den Rücken.
Reine, puristische Melodic-Death-Action gibt es von At The Gates selbstverständlich nicht, denn die kleineren Experimente seit dem Comeback schwingen weiterhin – in etwas kleinerem Rahmen – mit. „In Dark Distortion“ hat tatsächlich eine gewisse Finsternis für sich gepachtet und überrascht mit einer Prise Post Punk in den Strophen, während das fulminante „Det Oerhörda“ samt Orgel-Intro pure Beklemmung erzeugt. Bis zum abschließenden „Black Hole Emission“ regiert Hochstimmung, auch in diesem kantigen Melodic-Death-Rausschmeißer, dessen atemlose Hektik und eindringliche Melodik nicht loslässt.
Tatsächlich fällt es alles andere als einfach, Lindberg mehr als ein halbes Jahr nach seinem viel zu frühen Tod zu hören. Nicht etwa, weil er nicht auf der Höhe wäre, sondern weil sein Fehlen im Laufe dieses Albums mehr als bewusst wird. Die Vocals sind richtig stark geworden, wie auch alle anderen Aspekte. Tatsächlich könnte „The Ghost Of A Future Dead“ die beste Platte von At The Gates seit ihrer Rückkehr sein. Das bewusste Eingehen auf alte, vertraute Qualitäten, der massive Sound und die kleinen, aber feinen modernen Einflüsse und finsteren Elemente finden richtig gut zusammen. Am Ende bleibt nur Dankbarkeit. RIP Tompa.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 24.04.2026
Erhältlich über: Century Media (Sony Music)
Facebook: www.facebook.com/AtTheGatesOfficial
Slider-Pic (c) Ester Segarra


Letzte Kommentare