The Prestige – Isthmos

(c) Banshies / The Prestige
Ein Geheimtipp aus der französischen Hauptstadt will die Post-Hardcore-Welt durcheinanderwirbeln. Wobei es eigentlich schwer ist, The Prestige in eine Schublade zu stecken. Ihr Sound lebt von Chaos, von Dynamik, von brachialer Wucht, brütender Heavyness und gelegentlichen lichten Momenten. Auf ihrem dritten Album betrachten sie die kleinen, stillen Veränderungen, die das Leben prägen: Trauer, Trennung, Geburt, Zweifel und Erneuerung. Hinter diesen universalen Weisheiten und elementaren Extremen bereitet „Isthmos“ ein immersives Happening auf.
Wie „Debris“ in media res startet und mit derben, zermürbenden Druckwellen alles erschüttert, ringt Respekt ab. Der furiose, chaotische Hardcore-Ansatz verschiebt sich mehr und mehr ins Metallische, überfordert mit wachsender und präziser Begeisterung. Und dann, nach einer halben Minute, taucht Klargesang aus dem Dickicht auf, wie ein gleißend helles Licht, und verbreitet kurz Hoffnung. In weiterer Folge durchlebt der Track mehrere kleine Metamorphosen, stets einer gewissen apokalyptischen Grundstimmung nah, zwischen melodischen Ansätzen, Sludge-Wut und purer Aggression.
Ähnliche Fäden spinnen sich weiter und weiter. Der pure Hass, den „Noire Nuit“ zu Beginn verbreitet, fährt mit Anlauf durch Mark und Bein. Stellenweise nähert man sich sogar der Härte von Cult Of Luna an, nur um wiederholt diese kleinen, kurzen feinsinnigen Passagen einzubinden und gequälten Gesang mit einem Hauch frühe Underoath mitzunehmen, bevor Breach-Wände alles in Schutt und Asche reißen. Am Rand der Dauereskalation meditiert „Rose Du Désert“ mit erstaunlich progressiven Tönen, mit Post-Rock-artigen Aufbauten und bewegender, beklemmender Intimität. Natürlich wird die zweite Hälfte deutlich wütender, holt sich sumpfigen Sludge hinzu, und behält dennoch eine gewisse Anmut bei, die unter die Haut geht.
Komplette, radikale Überforderung mit breitem Pinsel und feiner Klinge: Gegensätze ziehen sich auf diesem dritten Album des Pariser Quartetts hörbar an. Ihren Post-Hardcore verändern The Prestige einmal mehr, wenngleich konzentriert und auf Raten. Ein deutlich wütenderes, chaotischeres Gesamtbild dominiert diese 40 Minuten und überfordert mit delikater Präzision. „Isthmos“ versteht sich als stetes Auf und Ab, hörbar von den eingangs erwähnten Extremen geprägt, arbeitet diese minutiös genau auf und zerlegt alles mit wachsender Begeisterung. So geht Wahnsinn der gehobenen Art.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 24.04.2026
Erhältlich über: Banshies
Facebook: www.facebook.com/wearetheprestige


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