Crippled Black Phoenix – Sceaduhelm

| 17. April 2026 | 0 Comments
Crippled Black Phoenix

(c) Crippled Black Phoenix

Seit vielen Jahren begleitet Trauma in den verschiedensten Formen die Musik von Crippled Black Phoenix, bemüht sich um intensive Auseinandersetzung, um Bewältigung, will sich ab und an einfach nur Luft machen. Was aber bleibt davon? Die Erschöpfung, die Erinnerung und das Schuldgefühl des Überlebenden zeichnen eine emotionale Mördergrube aus, schwer in Worte zu kleiden und doch alles überlagernd. „Sceaduhelm“ handelt vom Schmerz und der Anspannung, von Narben und Endlosschleifen ewiger Schuld.

Einmal mehr schrieb Justin Greaves sämtliche Songs und wies diese nachträglich ’seinen‘ drei Stimmen Belinda Kordic, Ryan Patterson und Justin Storms zu – je nachdem, wer besser für die jeweiligen emotionalen und psychologischen Themen geeignet war. Entsprechend vielschichtig und herausfordernd gestaltet sich diese Platte, zur Überraschung von wohl niemandem. Nicht nur aufgrund seiner Spielzeit von achteinhalb Minuten zählt „No Epitaph / The Precipice“ zu den wichtigsten neuen Songs. Die Art und Weise, wie sich der Track von Dark Folk mit Ryan Pattersons Grabesstimme zu Post Rock mit Prog-Einflüssen, dezenter Gothic-Atmosphäre und abschließender Eskalation verwandelt, reißt von den Sitzen. Das giftige, wilde Post-Punk-Finale ist mehr als unterhaltsam geworden.

Tatsächlich macht sich diese Spielweise für dichte emotionale Texturen verdammt gut. Wie in „Under The Eye“, dessen schleppende Nachdenklichkeit mit leidendem Weltschmerz, Klavier und reduzierten Gitarrentönen unter die Haut geht. Oder „Vampires Grave“, ein kantiger Dark-Rock-Stomper, der mehr und mehr Fahrt aufnimmt, nur in seinen bedrohlichen Zäsuren in betonter Gemächlichkeit zu entgleisen. Das forsche, unmittelbare „Ravenettes“ bringt gequälte Töne mit, lässt Kordic zur beschwörenden Kraft aufsteigen, die sämtliche Fäden in der Hand hält und dabei dem Wahnsinn verfällt. Auch das erst hoffnungsvolle, später wütende und frustierte „Beautiful Destroyer“ geht unter die Haut. Die zunehmende Selbstzerstörung in der zweiten Hälfte, dieser Abstieg in Richtung Wahnsinn – großes Kino.

Der etwas andere und doch vertraute Ansatz steht Crippled Black Phoenix gut zu Gesicht. Eine relativ neue Perspektive auf die Themenkreise ihrer jüngsten Alben verspricht frischen Wind und erdrückt mit seiner Schwere wieder und wieder. Das überaus dichte, repressive Gesamtkunstwerk überfordert mit Nachdruck. Greaves schreibt weiterhin starke Songs, die etwas mehr Dreck und Würze mitbekommen haben, setzt seine Stimmen und Mitstreiter gekonnt ein, und meditiert zugleich über zerstörerischen Schuldgefühlen, die sich nur schwer bewältigen lassen. All das sorgt für ein echtes Highlight im ohnehin großartigen Katalog dieses Kollektives und unterstreicht die Ausnahmeklasse von Crippled Black Phoenix ein weiteres Mal.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 17.04.2026
Erhältlich über: Season of Mist (SPV)

Facebook: www.facebook.com/CBP444

Slider-Pic (c) Espen Ixtlan

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Category: Magazin, Reviews

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