Roman Candle – Unadulterated

(c) Adrianne Drewniak
Für bekömmliche Core-Ausraster ist bei Roman Candle immer Platz. Das Quartett aus Las Vegas erspielte sich schnell ein lokales Publikum mit einem kompromisslosen Screamo-Ansatz, der gleichermaßen brachial, komplex und unnachgiebig ausfällt. Mittlerweile stehen etwa drei Millionen Streams zu Buche, mit Sumerian Records wurde zudem ein kongenialer Partner gefunden. Das erste komplette Album „Unadulterated“ überrollt mit aggressiver Musik und verletzlichen Lyrics.
Die schiere Intensität dieser zwölf Songs sorgt für wiederholtes Staunen. Tracks wie „This Band Has Lead Me To Places I Wouldn’t Go With A Gun“ bemühen pure Überforderung, lassen erst den Bass grollen, bevor die US-Band Fahrt aufnimmt, ein paar Math-Elemente hinzunimmt und wiederholt am Stand ausrastet. Hauptaugenmerk gilt Piper Ferrari, aus deren Stimmbändern schier Unmenschliches quillt, während intensive Texte auf eine gänzlich andere Reise mitnehmen. Urplötzliche Zäsuren und Zwischensprints mit Grind-Beigeschmack machen ebenso Laune. Das schiefe Grinsen von „I Can’t Stop Winning“, das sogar so etwas wie melancholische Melodik andeutet und diese doch im Keim erstickt, macht ebenfalls Laune.
Ist „On Second Thought Maybe Gaslighting Is Real“ tatsächlich eine Ballade geworden? Nein, die fast folkigen ersten 30 Sekunden täuschen doch ’nur‘. Aus dem Nichts erfassen überdimensionale Druckwellen, schneiden die Luft ab und werden in weiterer Folge von unheilvollen Spoken-Word-Parts gekrönt. Die Hoffnung von „Can We Watch Something Happy?“ erfüllt sich nicht, wenngleich etwas klassischere Screamo- und Hardcore-Einflüsse hier angenehm durchkommen. Die gibt es auch im schwerfälligen Finale „How To Be Considered When You’re Not In The Room“, das sich wiederholt selbst unterbricht, ins Stolpern gerät und doch nie strauchelt. Im fast durchgehenden Versuch, Fassung zu wahren, steckt erstaunliche Kraft.
Das hier ist ganz schön starker Tobak und zugleich verdammt gut. Hier steckt ordentlich Screamo-Energie drinnen, ein wenig Scenester-Charme der 2000er und zugleich ordentlich Herz. Roman Candle verwandeln dieses in eine Mördergrube, machen sich verwundbar und garnieren diesen Anflug von Intimität mit lautmalerischem Chaos. „Unadulterated“ widmet sich vor allem der chaotischen Seite des Genres, rabiat und überfordend, zugleich bärenstark von der ersten bis zur letzten Sekunde. Eine überfordernde halbe Stunde später tänzeln Schweißperlen um den imaginären Pit in der Magengrube – ein Einstand nach Maß.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 24.04.2026
Erhältlich über: Sumerian Records
Instagram: www.instagram.com/romancandlex


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