Bird’s View – Above Chaos

(c) Axel Kollmenter
Zwei starke Alben binnen kürzester Zeit, Gigs mit Größen wie H-Blockx, Soulfly und 311, dazu eigene Headliner-Touren und ein stetig wachsender Zuschauerkreis: Für Bird’s View läuft es aktuell richtig gut. Das Quartett aus Frankfurt hat mit seinem treibenden, rifflastigen und gerne mal leicht angepunkten Alternative Rock eine kleine, mehr als feine Nische gefunden und arbeitet erfolgreich auf immer größere Bühnen zu. Auf „Above Chaos“ wollen sie ihren energischen Live-Sound eingefangen, mit Unterstützung von Blackmail-Legende Kurt Ebelhäuser.
Der Titel ihres dritten Studioalbums steht für einen Befreiungsschlag von innerem und äußerem Chaos. Das geschieht – wenig überrascht – betont vehement. Langsam, aber sicher rollt der Opener „Above Chaos“ an – ein kantiger, dreckiger Titelsong, der einen Hauch Beatsteaks mitbringt, bevor mächtige Gitarrenwände in eine angenehm andere Richtung steuern und mit wütendem Rock in die Knie zwingen. Hinter „Shadows“ lauert erstaunliche Schwere. Ein paar Grunge-Riffs hier, wütende bis punkige Kanten da, dann aus dem Nichts feinsinnige Harmonien und vereinzelte ruhige Momente – kann man machen, ist richtig gut.
Bird’s View gehen ihren neuesten Streich souverän an und toben sich aus. Die verwaschende Schwere von „Otro Dia“ klingt wie von einem anderen Stern, lässt gewisse Blackmail-Vergleiche zu und erdrückt zugleich förmlich. In „No Name Rooms“ – einer von gerade mal drei Songs jenseits der Drei-Minuten-Marke – wird es erstaunlich ruhig und nachdenklich. Weitestgehend klare Gitarren, unerwarteter Minimalismus und beklemmende Harmonien erzeugen eine wunderbar unwirkliche Stimmung. Wer hingegen mehr Härte benötigt, lässt „Selling A Hand“ immer weiter eskalieren. Die kurzen, wütenden Schreie erwischen im besten Sinne am falschen Fuß.
Kurz, direkt und schörkellos rattert diese Platte durch. „Above Chaos“ ist eine Sammlung von Hits und Rohdiamanten in zwölf bekömmlichen Kapiteln. Mal drückend und energisch, dann wieder melodisch und verspielt, plötzlich am Rad drehend und schließlich voller Melancholie und Finsternis tanken sich Bird’s View durch ihr neuestes Album und bestätigen ihre Form damit mehr als eindrucksvoll. Das erinnert natürlich an eine Vielzahl von Alternative-Größen, keine Frage (unter anderem melden sich auch Foo Fighters, Three Days Grace und Fuel zwischenzeitlich zu Wort), findet aber stets einen komplett eigenen Weg. Bird’s View setzen ihren steilen Aufstieg fort und haben alle Qualitäten für die größten Festivalbühnen. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 08.05.2026
Erhältlich über: Yoke Buben Records (Edel)
Website: www.birdsview.eu
Facebook: www.facebook.com/birdsview.official


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