Glassing – Spotted Horse

| 14. Mai 2019 | 0 Comments
Glassing

(c) Donny Hermes

Brachialgewalt und betörende Schönheit lagen selten so nahe beieinander: Glassing aus Austin, Texas packen das Chaos in komplexe Gewandungen. Mathcore, Sludge, Post Rock und noch viel mehr kollidieren auf geradezu spektakuläre Weise. Die Einflüsse sind hörbar vielfältig, die Präsentation so unbequem und doch so vielschichtig wie möglich. Entsprechend vorsichtig und doch entschieden nähert man sich „Spotted Horse“.

Das eröffnende „When You Stare“ bringt den Glassing’schen Wahnsinn prima auf den Punkt. Vom anfänglichen Muskelspiel mit Black-Metal-Untertönen und spitzem Gekeife bis zu weitläufigen, atmosphärischen Zwischenspielen und reduzierter Sludge-Magie ist es nicht weit. Über sieben Minuten wird der Track immer ruhiger und langsamer, entspannt sich schließlich komplett und atmet ganz tief durch. Danach legt „Sleeper“ den Schalter um und wagt einen kräftigen Flirt mit The Dillinger Escape Plan. Reiner Mathcore geht jedoch anders, und so erinnern die betont ungelenken Wutausbrüche eher an Downfall Of Gaia.

Von linearer Herangehensweise halten die Texaner sowieso herzlich wenig. Der Abgang „The Wound Is Where The Light Enters“ balanciert zwischen Post Rock und Ambient, „A Good Death“ erinnert an die härten Exkurse von Isis the Band und „Follow Through“ wirft Converge in post-metallische Untiefen und hat daran hörbaren Spaß. Etwas kürzere, kompaktere Exkurse beschwören hingegen das eingangs erwähnte Chaos herauf. Wie „Lobe“ wild um sich spuckt, „Way Out“ furiose Shouts mit Schönklang kreuzt und „Bronze“ sogar einen Hauch von Deftones unter die Stakkato-Attacken mischt, weiß zu unterhalten.

Im Prinzip entziehen sich diese 43 Minuten konsequent jeglichen Kategorisierungsversuchen und machen damit unheimlich viel richtig. „Spotted Horse“ ist anders und durchaus vertraut, vogelwild und doch prima durchdacht. Der aggressive Grundton kollidiert mit Versöhnung, ein Hauch von Melodie torpediert unendliche Freundlichkeit und tankt sich dabei durch so ziemlich alles, was an wütend-chaotisch-hoffnungsvollen Hardcore- und Metal-Spielformen gibt. Glassing verlangen Geduld und volle Aufmerksamkeit, entlohnen dafür mit einer hochspannenden Platte mit großer Langzeitwirkung und wohlschmeckender Dauereskalation.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 17.05.2019
Erhältlich über: Brutal Panda Records (Download-Album)

Facebook: www.facebook.com/GlassingBand

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Category: Magazin, Reviews

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