Dommengang – No Keys

| 13. Mai 2019 | 0 Comments
Dommengang

(c) Amanda Leigh Smith

Wenn die Gitarre aufheult und bluesige Jam-Sessions in abseitige Gefilde drängen, dann sind Dommengang nicht weit. Das Trio aus Los Angeles muss Psychedelic Rock mit der Muttermilch aufgesogen haben. Anders lässt sich das beeindruckende Händchen für tiefgehende, ausdauernde und doch gänzlich unaufdringliche Klangcollagen nicht erklären. Auf „No Keys“ geht es um eine Band, welche sich irgendwo zwischen der lebhaften Großstadt und der rauen Natur zurechtzufinden versucht.

Der schroffe, laute Aufgalopp zu „Sunny Day Flooding“ täuscht: Von überdrehten Noise-Attacken halten die Kalifornier herzlich wenig und finden trotz gelegentlichen Uptempo-Jagden schnell einen Rhythmus. Der angenehm wilde Refrain erhöht den Druck geschickt, darunter baut sich ein gemächlicher Jam mit dezenter Coolness auf. Schnell haben sich Dommengang eingegroovt und führen weiter zu „Earth Blues“. Hier wird das Faible für bleierne, sehnsüchtige Gitarren und instrumentale Sinnsuche deutlich. Wohin die Reise gehen soll, zeigt sich erst auf der Straße – die Suche nach dem Ziel äußert sich in gelegentlich ruppigen, dann wieder angenehm harmonischen Schleifen.

„Kudzu“ bringt die vorwitzigen Psych-Jams des Trios auf den Punkt. Während die Gitarre stellenweise Led Zeppelin und Cream zitiert, brodelt darunter der musikalische Freigeist und lässt die Rhythmusabteilung herrlich exaltierte Salven abfeuern. In „Happy Death (Her Blues II)“ ist das Tempo urplötzlich komplett heraußen. Vorsichtig tasten sich die Herren an das bluesige Leitmotiv heran, treten kurzzeitig leise, bevor die mächtige Fuzz-Gitarre auf den Plan tritt. Ein „Stir The Sea“ versteht sich auf ähnlich gemächliche und doch leicht unruhige Psych-Jams der lässigen Art.

Mehrmals deuten Dommengang kleinere Wutausbrüche an und scheinen aus dem ohnehin recht lockeren Klangkorsett ausbrechen zu wollen, bloß fehlt die letzte Konsequenz für den kompletten Wahnsinn. Genau darin liegt der Reiz dieser Platte: „No Keys“ behält sich kleinere Reserven vor und gibt sich doch ordentlich wild. Vor allem und über allem regiert jedoch der Spaß an der Musik, tritt die schreiende Gitarre in den Vordergrund, gehen Psych und Blues eine harmonische wie unbequeme Symbiose ein. Das ist Musik mit Bauchgefühl, das ist großes Kino.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 17.05.2019
Erhältlich über: Thrill Jockey (Rough Trade)

Facebook: www.facebook.com/dommengang

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Category: Magazin, Reviews

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