The Dillinger Escape Plan – Dissociation

| 14. Oktober 2016 | 0 Comments
The Dillinger Escape Plan

(c) Party Smasher Inc.

Eine der wichtigsten Metal-Bands der letzten 20 Jahre bereitet ihren Abschied vor. Nach der Tour zur neuen, letzten Platte lösen sich The Dillinger Escape Plan auf. Untätig dürften die Musiker angesichts diverser Nebenprojekte aber keinesfalls werden. Zuvor bereitet das Quintett, das Mathcore und Jazz Metal salonfähig machte, ein großes Finale vor. Tatsächlich entpuppt sich „Dissociation“ als mächtiger, finaler Nackenschlag, der musikalische Retrospektive mit Zukunftsvisionen verknüpft.

Von Stillstand halten die US-Amerikaner rein gar nichts, und so verwundern dezent eingeflochtene elektronische Elemente keineswegs. Oft intensivieren sie bloß die Stimmung und schwingen in Synthi-Form im Hintergrund mit. Durch diesen fiesen, dissonanten Teppich wächst die kaputte Hymne „Nothing To Forget“ noch ein Stück weiter. Das poppige Zwischenspiel überrascht, verwundert und verwirrt zu gleichen Teilen, macht aber Sinn. „Fugue“ als überlanges Drum’n’Bass-Intermezzo hätte nicht unbedingt sein müssen, funktioniert im Gesamtkontext aber durchaus, was wiederum für die Unberechenbarkeit der Dillingers spricht.

Rundherum geben sich freilich Math-Manie und Break-Orgien die sprichwörtliche Klinke in die Hand. „Limerent Death“ ist einer der besten Opener der Bandgeschichte, „Honey Suckle“ erinnert an die komplett durchgeknallte EP mit Mike Patton und „Wanting Not So Much As To“ verpackt Math-Klaustrophobie in eine ellenlange, mächtige Hymne, die vor Details beinahe zu platzen droht. Und dann ist da noch „Dissocation“, der überlange Rausschmeißer, der fast ausschließlich von klarem Gesang und Synthis (zum Schluss schleichen sich ein paar Drums ein) bestritten wird und mit seinem sperrigen wie konsequenten Weiterdenken des Dillinger-Sounds nach einer Art Requiem klingt.

Das viel zu frühe Ende von The Dillinger Escape Plan wird auf Albumlänge zum erneuten Siegeszug. „Dissociation“ ist eine im positiven Sinn schwierige Platte geworden, die gewohnte Brachialgewalt mit methodischer Cleverness und neuen Gedankengängen verknüpft. Zwischen komplexen Abrissbirnen und aufwühlenden Hymnen gelingt den US-Math-Pionieren ein mehr als würdiger Abschied, der auch 20 Jahre nach Gründung viel zu früh kommt.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 14.10.2016
Erhältlich über: Party Smasher Inc. / Cooking Vinyl (Sony Music)

Website: dillingerescapeplan.org
Facebook: www.facebook.com/dillingerescapeplan

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Category: Magazin, Reviews

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