Deftones – Gore

| 11. April 2016 | 0 Comments
Deftones

(c) Frank Maddocks

In den letzten Wochen und Monaten war verstärkt von Zwistigkeiten bei den Deftones zu hören. Gitarrist Stephen Carpenter soll mit der Ausrichtung des Nachfolgers von „Koi No Yokan“ alles andere zufrieden sein. Weniger Härte, mehr Emotion und Klänge, die auch bei Chino Morenos diversen Nebenschauplätzen (Team Sleep, †††, Palms) funktionieren würden, so lauteten die Mutmaßungen im Vorfeld der Veröffentlichung. Tatsächlich ist „Gore“ das ruhigste Album seit dem 2006 erschienenen „Saturday Night Wrist“ geworden, verzichtet aber keineswegs auf heftige Eruptionen.

„Doomed User“ dürfte einer jener Tracks sein, an denen Carpenter Freude gefunden haben müsste. Wütende, tiefe Gitarrenbreitseiten und ein wild um sich schlagender Moreno wecken Erinnerungen an die gute alte Zeit. Nach ca. einer Minute bricht aus dem Nirgendwo ein Ohrwurm-Refrain aus dem Dickicht und hebt den Track auf das nächste Level. Auch der zittrige, herrlich dissonante Titeltrack bewegt sich in ähnlichen Gefilden.

Früh mutiert „Acid Hologram“ zum Schlüsselstück, das sämtliche Deftones’schen Welten in sich vereint: noisige Hässlichkeit, sphärischer Dream-Pop mit Shoegaze-Schlagseite und unheimlich dichte Atmosphäre sorgen für den ersten von vielen Gänsehautmomenten. Mehr davon? „(L)MIRL“ bleibt durchgehend in diesem Spektrum, ist vielleicht noch eine Spur melodischer und eingängiger. Auch der bestens bekannte Vorbote „Prayers/Triangles“ mit seinem „Minerva“-kompatiblem Mörderrefrain passt wunderbar in diese Riege.

Und dann sind da noch jene Stücke, die alleine schon aufgrund ihrer Kuriosität aus der Masse herausragen. „Phantom Bride“ ist per se ein gelungener, melodischer Midtempo-Track mit emotionalen Harmonien. Das käsige Hair-Metal-Solo von Jerry Cantrell (Alice In Chains) kommt dennoch unerwartet. Und „Pittura Infamante“? Beginnt mit einem lupenreinen Baroness-Riff und entwickelt sich zur Zeitlupenentladung mit 70s-Harmonien, verdammt tightem Drumming und destillierter Klaustrophobie.

Was „Gore“ aber besonders stark macht, ist seine überragende Hitdichte. Kein Ausfall, eine Reihe richtig guter Songs und Details, die sich oft erst nach dem x-ten Durchlauf erschließen. Wie schon seine Vorgänger lässt sich auch diese Deftones-Platte nur schrittweise verstehen, zündet mit gewohnter Verzögerung und legt faszinierenden Tiefgang an den Tag. Die vergleichsweise ruhige, introvertierte Präsentation weiter Teile von „Gore“ funktioniert und setzt das nächste Ausrufezeichen in einer ruhmeshallenreifen Karriere.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 08.04.2016
Erhältlich über: Reprise Records (Warner Music)

Website: www.deftones.com
Facebook: www.facebook.com/deftones

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Category: Magazin, Reviews

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