Huntsmen – Mandala Of Fear

| 13. März 2020 | 0 Comments
Huntsmen

(c) Aaron Ehinger

Manche werden sich wehmütig an U.S. Christmas erinnern, deren Americana-Ansatz sämtliche schwermetallischen Grenzen einriss. Während bei der XXL-Band seit fast einem Jahrzehnt Funkstille herrscht, machen Huntsmen munter weiter. Zugegeben, was das Quartett ‚Americana Metal‘ nennt, bringt einiges an Sludge, Prog und diversen Brachialextremen mit, ist aber auch tief in der psychedelischen Komponente des Great American Songbook verhaftet. „Mandala Of Fear“ sprengt nun sämtliche Horgewöhnheiten mit einer wütenden Herausforderung.

Größte Einstiegshürde dürfte die Spielzeit sein. Ja, „Mandala Of Fear“ dauert tatsächlich über 78 Minuten und geht damit in vielerlei Hinsicht an die Substanz. Wie abgedreht und vielschichtig dieses Album ist, zeigen bereits die ersten paar Tracks. Zunächst groovt sich „Ride Out“ geradezu sonnig und euphorisch heran, wirkt charmant und schwerfällig, von eingängigen Harmonen begleitet. Danach dreht „Colossus“ am Rad. Doomiger Sludge, Momente purer Eingängigkeit und druckvoller, angeproggter Groove geben sich die Klinke in die Hand – wie eine Reise zur Sonne, Verglühen inklusive. Schließlich zieht „Atomic Storms“ finstere Seiten auf und kokettiert mit Post Metal, mit monolithischen Klangwänden, mit instrumentaler Epik.

Und das sind letztlich nur einige wenige Facetten einer durch und durch vogelwilden, herausfordernden Platte. Wie sich „A Nameless Dread“ von Deathgrind zu Stoner-Wucht hangelt, wie „The Swallow“ Death’n’Doom gen Gothic und Americana verschiebt, wie „God Will Stop Trying“ wiederholt in Richtung Psych und Prog ausschlägt – beeindruckend und übermannend zu gleichen Teilen. Das beißende „Bone Cathedral“  und das an Neurosis erinnernde „The Silver Lining“ sind willkommende Einschübe. Schließlich übertreffen sich Huntsmen in „Awake At Time’s End“ selbst und liefern neun erhabenene Prog-Sludge-Minuten mit Americana-Twang und verstörender Jenseitigkeit, einfach so aus dem Ärmel geschüttelt.

Weniger wäre im Fall von Huntsmen tatsächlich mehr gewesen, denn „Mandala Of Fear“ überfordert komplett. Es bedarf schon mehrerer Sitzungen, um dieses Konvolut zu entwirren, die Struktur greifbar gemacht zu bekommen, die schiere Wucht und Übermenge an Musik zu sortieren. Was das Quartett aus Chicago hier aufs Parkett zaubert, ist gleichermaßen beeindruckend wie angsteinflößend. Scheuklappen werden verbrannt, um musikalisch möglichst viel mitzunehmen. Etwas kurzer und kompakter hätte auch gepasst, dennoch ist „Mandala Of Fear“ eine spannende Platte mit großartigen Momenten geworden, die einiges an Potenzial vermuten lässt.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 13.03.2020
Erhältlich über: Prosthetic Records (Cargo Records)

Website: huntsmendoom.com
Facebook: www.facebook.com/HuntsmenBand

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Category: Magazin, Reviews

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