Kvelertak – Splid

| 14. Februar 2020 | 0 Comments
Kvelertak

(c) Jonathan Vivaas Kise

Durch den Ausstieg von Erlend Hjelvik erhielten Kvelertak einen Tritt in den Allerwertesten. Was tun ohne den charismatischen Frontmann? Man fackelte nicht lange und engagierte Ivar Nikolaisen, der auch für The Good The Band And The Zugly zum Mikrofon greift und auf dem ersten Album als Gast auftrat. Zudem kehrte Kurt Ballou nach einer kurzen Pause zurück auf den Produzentenstuhl. Entsprechend wenden sich die Norweger ein Stück von den zuletzt angedeuteten Classic-Rock-Klängen ab und kehren auf „Splid“ zurück zu den Wurzeln – allerdings nicht ohne die eine oder andere Überraschung.

Eine davon: Kvelertak wagen sich nun – gleich mehrmals – an die englische Sprache. „Crack Of Doom“ ragt besonders heraus, nicht nur aufgrund seines Titels. Hier gibt sich Troy Sanders von Mastodon ein kleines Stelldichein. Musikalisch fies, dezent angepunkt und richtig schön dreckig voranpreschend, lassen sich Elemente von Nikolaisens anderen Bands im Sound seines neuen Betätigungsfeldes erkennen. Sanders steuert seine Zeilen mit Inbrunst bei. Weitere Dampfhämmer, darunter das abgefuckte „Discord“ mit seinen Endlos-Soli und dem Klavier sowie das immer wuchtiger werdende „Uglas hegemoni“ mit deutlichem Punk-Einschlag brennen sich ein.

Was die Norweger ebenfalls noch besser beherrschen, ist die Überlänge. „Fanden ta dette hull!“ pendelt zwischen Alternative-Rock-Hymne, Death’n’Roll-Abrissbirne und Prog-Sludge-Exkurs – eine Art mehrteilige Suite mit hohem Suchtfaktor. „Bråtebrann“ scheint das gesammte Schaffen des Sextetts zusammenfassen. Von breitbeinigen Rock-Sounds mit überlebensgroßem Refrain bis zum Hardcore-Punk-Riffing bringt das Mammut alles mit. Und dann ist da noch „Delirium tremens“, für Kvelertak ein Grund zum musikalischen Ausrasten. Wie der Achtminüter immer weiter wächst und mit Prog Death sowie Grind kokettiert, beeindruckt.

Eine knappe Stunde Musik und kein Ausfall, das schaffen nicht viele. Ganz im Gegenteil, „Splid“ pendelt sich von Anfang an auf hohem Niveau ein und wird immer gewaltiger. Die überlangen Prog-Ansätze, die verspielten Rocker, die breitbeinigen Derwische – alles, was Kvelertak ausmacht, versammelt sich auf diesem vierten Studioalbum. Ivar Nikolaisen erweist sich als Glücksgriff, steht für weitere musikalische Öffnung, ohne dabei auf die Wurzeln zu vergessen. Plötzlich klingt man dreckiger, abgefuckter und doch harmonischer denn je, von Hits am laufenden Band getragen. Kvelertak beeindrucken ein weiteres Mal mit einer Platte, von der man noch lange sprechen wird.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 14.02.2020
Erhältlich über: Rise Records / BMG Rights Management (Warner Music)

Website: www.kvelertak.com
Facebook: www.facebook.com/Kvelertak

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Category: Magazin, Reviews

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