Godthrymm – Reflections

| 13. Februar 2020 | 0 Comments
Godthrymm

(c) Frank Ralph Photography

Während Vallenfyre, das gemeinsame Old-School-Death-Metal-Outlet mit Greg Mackintosh von Paradise Lost, schon wieder Geschichte sind, widmet sich Hamish Glencross bereits einem neuen Unterfangen. Unter anderem als langjähriger ehemaliger Gitarrist von My Dying Bride bekannt, kehrt er mit Godthrymm zurück zu seinen Wurzeln. Der schottische Doom-Meister holte sich unter anderem Unterstützung von Shaun Taylor-Steels, der einst gemeinsam mit Glencross ebenfalls bei My Dying Bridge spielte. Im aktuellen Trio-Line-up präsentieren die Briten nun ihr Debütalbum „Reflections“, das sich der schwerfällig-finsteren, trauernden Seite des Genres widmet.

Intensiv. Beklemmend. Aufwühlend. Glencross‘ Gesang alleine reicht bereits, um Gänsehaut zu erzeugen. Wie er in „We Are The Dead“ gekonnt mit etwas höheren Registern flirtet, während die Gitarre abwechselnd Melancholie und Hoffnung verbreitet, berührt durchaus. Godthrymm arbeiten sich an einem schlichten Leitmotiv ab und wachsen dabei über sich hinaus. Die schiere Wucht im Übergang zum finalen Refrain lässt kurzfristig Hören und Sehen vergehen. Leidender Gesang, mit Growl-artigen Klängen vermischt, begleitet den Malstrom „Monsters Lurk Herein“. Das Trio lässt sich in eine Art musikalischen Sog hinabziehen und verstört zutiefst. Und doch sorgen geschickt eingesetzte, leicht süßliche Melodien für eine Prise Leichtigkeit.

Sämtliche Bemühungen münden schließlich in „Cursed Are The Many“. Der Neunminüter sprengt das XL-Format erst recht und nimmt sich viel Platz für weit geöffnete Klangräume. Wie Glencross seine Gitarre nachhallen lässt, wie Taylor-Steels sein zweckdienliches Spiel mit minimalistischen und doch druckvollen Fills säumt, reißt mit. Mehrere kleine Soli fahren wild und doch erhaben dazwischen. Aber auch das zwischenzeitliche Flüstern von „The Sea As My Grave“, von unheimlich dicken Gitarrenwänden und zähem Beton zerlegt, will nicht unerwähnt bleiben.

Geduld und Sitzfleisch sind Pflicht für diesen Einstand. „Reflections“ kann beim ersten Anlauf durchaus überrollen, aber das passt ins Bild. 54 intensive, bewusst zähe Doom-Minuten lassen kleine Querverweise zu den Urvätern des Genres zu und machen sich zugleich im Sound von Glencross‘ ehemaligen Projekten sowie den Exkursen seiner (früheren) Wegbegleiter breit. Zwischen Kargland und süffiger Süße tummelt sich „Reflections“, ein emotional aufgeladenes und doch angenehm druckvolles Werk. Frühe Cathedral und Paradise Lost, aber auch Candlemass und Funeral nicken zustimmend mit.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 14.02.2020
Erhältlich über: Profound Lore Records (Membran)

Website: godthrymm.com
Facebook: www.facebook.com/godthrymm

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Category: Magazin, Reviews

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