Paradise Lost – Tragic Idol

| 19. April 2012 | 0 Comments

Paradise Lost

Paradise Lost befinden sich nach wie vor auf dem Weg zurück zu alter Größe, die ihnen Mitte der 90er durch allerlei elektronischer Experimente ein wenig abhanden gekommen ist. „Faith Divides Us – Death Unites Us“ war 2009 ein Schritt in die richtige Richtung, dem jedoch die herausragenden Songs fehlten. Gerade mal ein halbes Jahr, nachdem Gitarrist Greg Mackintosh mit Vallenfyre ein kathartisches Werk veröffentlicht hat, steht nun „Tragic Idol“ in den Startlöchern, für das man sich noch stärker an deutlich doomigeren Klängen orientiert, die den britischen Veteranen überaus gut zu Gesicht stehen.

Mit viel Power und klassischen Melodien eröffnet „Solitary One“ das Album betont mächtig und eingängig. Monolithische Riffs und stampfende Drums leiten den Track ein, getragen von Nick Holmes‘ fiesem Knurren und gelegentlich eingestreutem Klargesang. Der Opener wirkt wie eine Kraftprobe, als ob sich Paradise Lost selbst beweisen wollen, dass sie noch über die nötige Härte und Intensität verfügen. In einer ähnlichen Gangart geht es weiter: „Crucify“ erhöht das Tempo minimal, deutet im Refrain sogar einen Hauch von Uptempo an und bewegt sich für ein episches Solo in verdammt langsame Gefilde. Vorläufiger Höhepunkt ist die Video-Auskopplung „Honesty In Death“, ein todtrauriges Meisterwerk mit fantastischer Gesangsmelodie, die sogar verstohlen gen „Icon“ schielt.

Selbst das etwas belanglose „Worth Fighting For“ kann dem Album nichts haben, auch der etwas zu glatte Titeltrack stört kaum, denn das leidenschaftliche „In This We Dwell“ alleine rechtfertigt bereits die Anschaffung von „Tragic Idol“. Hier treten Paradise Lost das Gaspedal durch, mischen typische Riffs mit einem Hauch Death Metal, natürlich im Goth’n’Doom-Kontext dieser Platte. Als waschechter Tearjerker mit Griftegård-Schlagseite rundet „The Glorious End“ (nomen est omen) das 13. Studioalbum der britischen Legenden souverän ab. Gerade die schwerfällige, über sich selbst stolpernde Melodie macht den Reiz dieses Mammuts aus, getragen von einer verhältnismäßig verspielten Rhythmusabteilung und einem weiteren Halb-Refrain, der an frühere Großtaten erinnert.

„Tragic Idol“, ein Werk über Vergänglichkeit und die Zwischenwelt von Schein und Sein, gehört mit Sicherheit zu den besten Platten der jüngeren Paradise Lost-Vergangenheit. Wo sich der Vorgänger „Faith Divides Us – Death Unites Us“ deutlich sortierter und härter zeigte, hat Album Nummer 13 endlich auch die richtigen Songs am Start, eine Reihe an Hits, gespickt mit Trademark-Melodien und leidenschaftlicher Gitarrenarbeit. Paradise Lost sind endlich wieder zurück und nähern sich ihrer früheren Klasse. Ein zweites „Icon“ erwartet freilich keiner, mit dieser Mischung aus Nostalgie-Reise und Doom-Arschtritt ziehen sich die Briten aber so gut wie schon seit Jahren nicht mehr aus der Affäre.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 20.04.2012
Erhätlich über: Century Media (EMI Music)

Website: www.paradiselost.co.uk
Facebook: www.facebook.com/paradiselostofficial

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Category: Magazin, Reviews

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