High On Fire – De Vermis Mysteriis

| 18. April 2012 | 0 Comments

High On Fire

Mit ihrer unheimlich fetten Mischung aus Sludge-, Stoner- und Doom-Klängen haben sich High On Fire längst einen Fixplatz im riffgeschwängerten Dröhn-Universum erspielt. Waren die Relapse-Jahre bereits spektakulär, so gelang mit dem Wechsel zu Century Media und dem vor zwei Jahren erschienenen „Snakes For The Divine“ der endgültige Durchbruch. Ein Massenphänomen sind Matt Pike und Mannschaft zwar längst noch nicht, scheinen in ihrem neuen Umfeld aber erst recht aufzublühen. „De Vermis Mysteriis“ (dt. „Die Geheimnisse des Wurms“), ihr sechstes Studioalbum, ist ein weiteres Ausrufezeichen im illustren Backkatalog des Trios aus Oakland, Kalifornien.

Der Albumtitel ist eine Anspielung auf ein fiktionales Zauberbuch von „Psycho“-Autor Robert Bloch, das H.P. Lovecraft später in seinen Cthulu-Mythos aufnahm. „Ich hatte diese Idee zu Jesus und der unbefleckten Empfängnis: Was wäre, wenn Jesus einen Zwilling gehabt hätte, der bei der Geburt starb und so Jesus das Leben ermöglichte? Und wenn dieser Zwilling genau dann zu einem Zeitreisenden geworden wäre?“ – Matt Pikes Konzept hinter dieser Platte ist verschroben und schräg, was jedoch gewissermaßen zum Sound passt. Bereits der Opener „Serums Of Liao“ gibt Vollgas und streckt Sludge-Riffs mit Thrash-Einflüssen, getragen von gewohnt fiesen Vocals und peitschenden Drums. Der verhalten melodische Refrain kommt zur rechten Zeit, ist aber nur einer von vielen Höhepunkten in dieser sechs Minuten langen Tour de Force, die mit einem von vielen anspruchsvollen Gitarrensoli entsprechend abgerundet wird.

„Fertile Green“ schraubt das Tempo nach einem halbminütigen Drumintro in beängstigende Höhen. So rasant und brutal hat man High On Fire noch nie gehört – Stoner-Thrash in Reinkultur. „Spiritual Rights“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, baut den einen oder anderen Motörhead-Groove ein und setzt auf mörderische Melodien. Aber auch Fans deutlich langsamerer Töne kommen auf ihre Kosten: „King Of Days“ bietet Doom und Sludge in Reinkultur, erinnert mit seinen infernalen Riffs an Black Sabbath und schließt mit einem Drumpart ab, der dem Auftakt von „Fertile Green“ stark ähnelt. Sind die beiden Tracks etwa miteinander verbunden? Die beiden Höhepunkte des sechsten High On Fire-Albums hat man sich jedoch für den Schluss aufgehoben. Zunächst speit „Romulus And Remus“ Feuer im Midtempo-Bereich, danach erinnert „Warhorn“ ein wenig an eine unheilige Allianz zwischen Type O Negative und Mastodon – welch martialischer Rausschmeißer!

Wie so oft lassen High On Fire kaum Wünsche offen. „De Vermis Mysteriis“ wirkt noch eine Spur kompakter und kompromissloser als seine Vorgänger, bietet sowohl die womöglich schnellsten („Fertile Green“) als auch zähsten („Warhorn“) Tracks in der langen der Karriere des Trios aus Oakland. Riff-Fetischisten und Sabbath-Anhänger werden Matt Pikes fantastische Gitarrenarbeit lieben, Horror-Fans in den Lyrics eine zweite Heimat finden. Das sechste Album könnte auch gleichzeitig das beste von High On Fire sein – Aufschluss darüber wird wohl nur Vater Zeit geben können.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 20.04.2012
Erhätlich über: Century Media (EMI Music)

Website: www.highonfire.net
Facebook: www.facebook.com/highonfire

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Category: Magazin, Reviews

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