Motorowl – Atlas

| 23. Juli 2018 | 0 Comments
Motorowl

(c) Sophia Lehmann

Da sind sie wieder, die höchst spannenden Motorowl. Das Quintett aus dem Osten Deutschlands versteht sich auf psychedelischen Doom – mal rockig, mal metallisch, gerne progressiv und anspruchsvoll, dann wieder in klassischen Gefilden wildernd. Im Vorfeld ihres zweiten Albums war von einem gewissen Hang zu Iron Maiden die Rede und, siehe da, tatsächlich erinnert „Atlas“ gelegentlich ein wenig an die Metal-Urgesteine. Aber eigentlich auch überhaupt nicht.

Klingt verwirrend; dann passt das ja perfekt zum Sound der Deutschen. Max Hemmanns klarer, gerne glockenheller Gesang gibt die Marschrichtung vor, die Band zieht nach: „Infinite Logbook“ packt so ziemich alles, was Motorowl ausmacht, in einen mächtigen Song. Was zunächst nach mildem Druckaufbau klingt, pendelt sich schnell in gemächlichen, düster angehauchten Gefilden ein. Klar ist das ein wenig doomig, erinnert an anderen Stellen aber schon mal an Toy und Steven Wilson, während die getriebenen Gitarren sogar gen Desert Rock schielen.

Schnell zeigt sich, dass offene Ohren zwingend notwendig sind für dieses Album, denn von Scheuklappen halten Motorowl hörbar wenig. Stellvertretend dafür steht der Doppelschlag „To Give“ und „To Take“. Ungesüßte Heavyness öffnet den Blick auf emotionales Kargland, während sich Hemmann die Seele aus dem Leib singt. Proggige Spielereien verharren im ersten Gang und bauen stattdessen für den monströsen zweiten Teil auf. Hier wird klar, warum psychedelischer Doom das Rückgrat der Band darstellt – übrigens auch herrlich im überlangen Abgang „Norma Jean“ mit seiner manischen Griftegård-Orgel und dem ellenlangen Abgang gekonnt inszeniert.

Wahrlich keine leichte Kost, dieses „Atlas“. Leicht zögerlich nähert man sich dieser Platte und beobachtet genau, wie sich die Songs nach und nach aufbauen, ihre volle Strahlkraft entfalten und geradezu vogelwild nach vorne peitschen. Je länger das Album dauert, desto düsterer, schwerfälliger und anspruchsvoller wird es, und genau darin liegt die Stärke Motorowls. Unerwartete Wendungen, manische Power und ein stetes offenes Ohr für schräge Einfälle lässt auch ihr zweites Studiowerk zur kleinen, feinen Perle reifen, die besonders viel Aufmerksamkeit (und Geduld) verdient hätte.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 27.07.2018
Erhältlich über: Century Media Records (Sony Music)

Website: motorowl.de
Facebook: https://www.facebook.com/motorowl

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Category: Magazin, Reviews

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