Elder – Through Zero

| 29. Mai 2026 | 0 Comments
Elder

(c) Leon de Backer

Was passiert eigentlich nach dem Nullpunkt? Je nach Skala und Sichtweise kann es sehr unterschiedliche Antworten auf diese Frage geben. Elder ließen sich für ihre neueste Platte – die erste seit etwa dreieinhalb Jahren – von der Technik und der Musikkunde an sich inspirieren. „Through Zero“, so der Titel ihres neuen Werks, ist zwar kein Konzeptalbum, dreht sich aber um ein semi-konzeptuelles Leitmotiv: Die Null muss kein Ende sein, sondern agiert viel mehr als Mittelpunkt entlang eines zeitweise im Dunklen liegenden Pfads. Elementare Themen aus dem Leben von Mastermind Nick DiSalvo schmücken die sechs neuen, gewohnt überlangen Songs.

Dass DiSalvo zuletzt unter anderem mit delving und Weite beschäftigt war, hört man dieser neuen Platte durchaus an. Das monumentale, fast elfminütige „Strata“ findet wieder und wieder zu fast verträumten, psychedelischen – nun ja – Weiten und lässt die Heavyness gerne mal in den Hintergrund rücken. Fast traumwandlerische Klänge erfahren schrittweise eine kleine Metamorphose und treten schließlich laut, selbstbewusst auf. Etatmäßige monströse Riffs und wunderbar ausladende instrumentale Einschübe geben sich die Klinke in die Hand. Die Verschmelzung beider Welten geschieht auf Raten und gipfelt rund um die Sieben-Minuten-Marke, bevor abermals leicht verträumte Töne das Geschehen gekonnt abrunden.

Noch ruhiger wird es im folgenden „Sight Unseen“, dessen erste Hälfte an die instrumentalen Weite-Exkurse erinnert, minimalistisch und nachdenklich angelegt. Bezauberndes Kopfkino und schier endlose Weiten geben sich eine imaginäre Klinke in die Hand. Hingegen lebt „Capture/Release“ das vertraute Prog-Faible aus und münzt dieses in immerhin annähernd tanzbare Musik um. Elder legen aber keinesfalls eine kesse Sohle aufs Parkett, sondern nehmen nun erst richtig Fahrt auf. Anderweltlicher, entfremdeter Space Rock und imposante Druckwelten finden langsam, aber sicher zusammen, das Ende kommt viel zu plötzlich.

Diese weitere kleine Metamorphose in der Welt von Elder gelingt vorzüglichst. Die verschiedenen Projekte und Bands DiSalvos halten verstärkten Einzug und machen mehr Platz für verträumte, psychedelische Töne. Verstärkte Kontraste, urplötzliche Szenenwechsel und noch ausgereiftere Kompositionen sind das Ergebnis. Insgesamt lässt sich „Through Zero“ vermehrt treiben, rund um den vermeintlich eigenen Pfad um den Nullpunkt, und entdeckt dabei immer wieder Neues, Herausforderndes, gerne mal Belebendes. Auch unter leicht geänderten Vorzeichen bleiben Elder eine Bank.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 29.05.2026
Erhältlich über: Stickman Records (Indigo)

Website: beholdtheelder.com
Facebook: www.facebook.com/elderofficial

Slider-Pic (c) Leon de Backer

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Category: Magazin, Reviews

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